Projekt ZARI // 100.000 Sprechende im Jahr 2100

Bei der heutigen Präsentation des Projekts ZARI, welches sich in Trägerschaft der Domowina befindet, stellten die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter vor, wie dieses konkrete Ziel erreicht werden soll und warum die derzeitige Weitergabe der sorbischen Sprache langfristig für den Erhalt nicht reicht. Das Projekts ZARI möchte ein “Netzwerk für regionale Identität und sorbische Sprache” auf- und ausbauen. “Wir wollen mit unserem Projekt erreichen, dass es in der ganzen Lausitz wieder normal sein wird, Sorbisch zu sprechen. Dass man automatisch überall auf Sorbisch grüßt. Dass jeder weiß, was “Dobry dźeń” und “Božemje” heißt. Dass man im Gespräch nicht gleich ins Deutsche wechselt, wenn deutschsprachige Personen anwesend sind und, dass immer mehr Menschen – sowie Dörfer, Städte und Gebiete – Sorbisch als ihre Sprache wiederentdecken.“, so Projektkoordinatorin Diana Pawlikowa.

Sprache und ihr Netzwerk

Um diese Gebiete “kümmern“ sich derzeit fünf Sprachmotivatoren des Projekts ZARI: Maria Šołćic/Scholze für die Gebiete Kulow/Wittichenau, Wojerecy/Hoyerswerda und Halštrowska Hola/Elsterheide, Lucian Kaulfürst für die Gebiete Malešecy/Malschwitz, Kubšicy/Kubschütz, Bukecy/Hochkirch, Frank Knobloch für die Gebiete Łaz/Lohsa, Sprjewiny Doł/Spreetal und Wujězd/ Uhyst(Spree), Juliana Kaulfürstec/Kaulfürst für die Gegend um Slepo/Schleife und Wochoz/Nochten Rafaela Wićazowa/Lehmann für die Gebiete Wulka Dubrawa/Großdubrau, Radwor/Radibor, Rakecy/Königswartha, Njeswačidło/Neschwitz, Bóšicy/Puschwitz und Hodźij/Göda. Die Sprachmotivatoren haben die Aufgabe, sorbische Projekte durchzuführen und ein Netzwerk Sorbisch-Sprechender bzw. potenzieller Sprecher aufzubauen. Der Prozess dieser sprachlichen Revitalisierung basiert auch auf der persönlichen Situation der Bürger. Mögliche Fragen an diese sind zum Beispiel: wer mit wem wo und wann welche Sprache anwendet, wie die Einstellung der Menschen zum Sorbischen ist, und was sie hindert, Sorbisch zu sprechen. Eine weitere Aufgabe der Sprachmotivatoren ist es, für die sorbische Sprache zu sensibilisieren und zu motivieren, sie zu lernen.

ZARI will eine neue zweisprachige Normalität in der Lausitz schaffen. Es soll eine Atmosphäre entstehen, die Menschen ermutigt, sich die Sprache ihrer Region anzueignen. Dafür möchte ZARI neben dem Ausbau von Sprachkursen in den Regionen vor allem intensivere Lehrangebote und innovative Lernmaterialien entwickeln. Um diesen Bereich kümmert sich der wissenschaftliche Mitarbeiter Julian Nyča.

Wissenschaftliche Begleitung 

Die Sprachmotivatoren erarbeiten Informationen über die Situation in ihrem Gebiet, die sie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Dr. Cordula Ratajczak und Prof. Dr. Nicole Dołowy-Rybińska weiterleiten. Die Wissenschaftlerinnen werden begleitend bis Ende 2024 einen Aktionsplan entwickeln, welcher auf der Grundlage praktischer Erfahrungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse basiert.

Kultur und Netzwerk

Neben der Sprache spielt Kultur eine große Rolle im Projekt ZARI. Treffpunkte, Vereine oder Veranstaltungen in der Region bieten Interessenten die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu kommen und Sorbisch zu sprechen. Viele dieser Angebote werden durch Ehrenamtliche organisiert. Wer dabei was tut, ist Außenstehenden oft unbekannt. Deshalb möchte das Projekt ZARI ein Netzwerk für sorbische Volkskultur, Kunst und Vereinsengagement aufbauen. Eine wichtige Rolle werden dabei Kulturvermittler spielen. Sie sollen die Verbindung sein zwischen Laien und Profis und vor Ort unterstützen. 

Kulturvermittler sollen in folgenden Bereichen fachlich ausgerichtet arbeiten: Museen, Heimatstuben, Musik, Tanz, Literatur, Theater, Film, Volks- und bildende Kunst, Tracht und Sport. Der Aufbau dieses Regionalmanagements liegt bei Sonja Hrjehorjowa. Als erste aus dem Team der Kulturvermittlerinnen wird Jadwiga Brützke sie ab Mitte November unterstützen. Mit diesen Instrumenten möchte das Projekt ZARI die sorbische Sprache in Zukunft erhalten und revitalisieren. 100.000 Sprechende im Jahr 2100 zu erreichen, ist daher ein langfristiges Ziel, welches sich Schritt für Schritt genähert werden soll.

Foto: Team des Projektes

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