Geschichte der Sorben – ein slawisches Volk im Herzen Europas

Die Geschichte der Sorben reicht über viele Jahrhunderte zurück und ist geprägt von Sprache, Identität und Kultur in der Lausitz. Sie zeigt, wie sich ein slawisches Volk bis heute seine Eigenständigkeit bewahrt und weiterentwickelt hat. 

  • Rekonstruktionszeichnung der slawischen Inselburg von Potsdam (spätes 9.–frühes 10. Jahrhundert).
    Rekonstruktionszeichnung der slawischen Inselburg von Potsdam (spätes 9.–frühes 10. Jahrhundert).

    Ursprung und frühe Entwicklung

    Im 6. Jahrhundert siedelten sich die Sorben, ein westslawisches Volk, in der Lausitz an. Im Schatten des fränkischen Reiches entwickelten sie eine eigenständige Kultur und bildeten verschiedene Stämme. Mit der Christianisierung gerieten die Sorben unter den Einfluss des Heiligen Römischen Reiches. Missionare wie die Brüder Method und Kyrill trugen zur Einführung des Christentums und der Schrift bei.

    Die Sorben erlebten eine Blütezeit ihrer Kultur mit eigenen Herrschaftsgebieten und dem Niedersorbischen als Literatursprache. Politische Unsicherheiten und kriegerische Auseinandersetzungen brachten jedoch auch Herausforderungen.

    Rekonstruktionszeichnung der slawischen Inselburg von Potsdam (spätes 9.–frühes 10. Jahrhundert).
  • Titelblatt des Neuen Testaments, welches nach der Lutherbibel von Michael Frenzel ins Sorbische übersetzt wurde, Budyšin | Bautzen 1727. Quelle: Sorbisches Institut
    Titelblatt des Neuen Testaments, welches nach der Lutherbibel von Michael Frenzel ins Sorbische übersetzt wurde, Budyšin | Bautzen 1727. Quelle: Sorbisches Institut

    Reformation, Kriege und Umbrüche

    Die Reformation prägte das Gebiet. Die Mehrheit der Sorben schloss sich dem Protestantismus an, während die Obersorben größtenteils römisch-katholisch blieben. Dies führte zu religiösen Spaltungen innerhalb der sorbischen Gemeinschaft.
    Der Dreißigjährige Krieg brachte Leid über die Lausitz. Zerstörungen und die Pest dezimierten die Bevölkerung. Nach dem Westfälischen Frieden (1648) kam die Lausitz zu Sachsen.

     

    Titelblatt des Neuen Testaments, welches nach der Lutherbibel von Michael Frenzel ins Sorbische übersetzt wurde, Budyšin | Bautzen 1727. Quelle: Sorbisches Institut
  • Über 130 sorbische Dörfer wurden durch Braunkohleabbau abgebaggert, wie in der Grube Marga, Zły Komorow | Senftenberg, 1900/1940. Foto: Deutsche Fotothek / Alois Raslag
    Über 130 sorbische Dörfer wurden durch Braunkohleabbau abgebaggert, wie in der Grube Marga, Zły Komorow | Senftenberg, 1900/1940. Foto: Deutsche Fotothek / Alois Raslag

    Industrialisierung und nationale Bewegungen

    Nationalbewegung und Industrialisierung beeinflussten das sorbische Leben. Assimilationsbestrebungen und die Förderung der deutschen Identität setzten die sorbische Kultur unter Druck. Die Einführung der deutschen Sprache in den Bildungseinrichtungen bedeutete eine Herausforderung für den Erhalt der Sprache.

    Über 130 sorbische Dörfer wurden durch Braunkohleabbau abgebaggert, wie in der Grube Marga, Zły Komorow | Senftenberg, 1900/1940. Foto: Deutsche Fotothek / Alois Raslag
  • Titelblatt der Zeitschrift
    Titelblatt der Zeitschrift "Kulturwehr" im Jahr 1926. Die Zeitschrift des Verbandes der nationalen Minderheiten Deutschlands war u.a. unter der Redaktion von Jan Skala. Quelle: Sorbisches Institut

    Zwischen Freiheit und Verfolgung

    Die Weimarer Republik brachte kulturelle Freiheiten, doch die nationalsozialistische Ära stürzte die Sorben in existenzielle Not.

    Die nationalsozialistische Ideologie verfolgte eine aggressive Assimilationspolitik. Sorbische Institutionen, Schulen und Kultureinrichtungen wurden zerschlagen. Sorbische Sprachaktivitäten wurden eingeschränkt und die Sorben als „Fremdvölkische“ stigmatisiert. Viele Sorben pflegten ihre Traditionen im Verborgenen, z. B. in den Kirchen, um ihre Identität in dieser dunklen Zeit zu bewahren.

    Titelblatt der Zeitschrift
  • Bühnenprogramm zum III. Festival der sorbischen Kultur 1972 in Bautzen. Quelle: Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut
    Bühnenprogramm zum III. Festival der sorbischen Kultur 1972 in Bautzen. Quelle: Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

    Förderung und Kontrolle in der DDR

    In der DDR erlebten die Sorben eine komplexe Phase, die einerseits von staatlicher Förderung, andererseits aber auch von Einschränkungen geprägt war: Sorbische Schulen, Medien und Kultureinrichtungen wurden gegründet, dennoch standen die Sorben vor der Herausforderung, ihre kulturelle Identität zu bewahren und gleichzeitig den Erwartungen und Restriktionen des sozialistischen Staates gerecht zu werden.

    Bühnenprogramm zum III. Festival der sorbischen Kultur 1972 in Bautzen. Quelle: Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

Anerkennung und Zukunft der Sorben

Seit der Wiedervereinigung sind die Sorben als nationale Minderheit anerkannt. Doch auch heute stehen sie vor manchen Schwierigkeiten. Die sorbische Sprache ist mit dem Verlust ihrer Sprecherinnen und Sprecher konfrontiert. Die Förderung von Bildung, Medienpräsenz und kultureller Identität wird für die Zukunft der Sorben entscheidend sein.

Trotz aller Probleme setzen die Sorben ihre Bemühungen fort. Institutionen wie die Domowina setzen sich aktiv für den Schutz der sorbischen Sprache und Kultur ein.


Wenn Sie mehr über die Geschichte der Sorben erfahren möchten, finden Sie weitere Informationen im Wikipedia-Artikel. Hier geht es zum Beitrag.