Schwarz-weiße historische Aufnahme eines großen Fachwerkhauses mit Reetdach. Vor dem Gebäude stehen mehrere Personen, darunter eine Frau in sorbischer Tracht.

Geschichte der Domowina

Die Domowina - Rückblick auf eine reiche Geschichte

Die Geschichte der Domowina ist geprägt von einem überzeugten Bekenntnis zur sorbischen Sprache, Identität und Kultur. Ihre Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Unser Dachverband hat einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Förderung der sorbischen Sprache und Kultur geleistet.

  • 1912
    Im Gesellschaftshaus in Wojerecy | Hoyerswerda fanden Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche sorbische Kulturveranstaltungen statt.
    Im Gesellschaftshaus in Wojerecy | Hoyerswerda fanden Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche sorbische Kulturveranstaltungen statt.

    Gründung der Domowina

    Die Ursprünge der Domowina gehen auf das Jahr 1912 zurück, als sich sorbische Vereine zusammenschlossen, um eine gemeinsame Stimme für ihre kulturellen Belange zu finden. Der Name "Domowina", der von "Heimat" abgeleitet wurde, spiegelt das zentrale Anliegen der Organisation wider: die Bewahrung der sorbischen Heimat und ihrer einzigartigen sprachlichen und kulturellen Ausdrucksformen.

    Im Gesellschaftshaus in Wojerecy | Hoyerswerda fanden Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche sorbische Kulturveranstaltungen statt.
  • 1913

    Höhen und Tiefen

    In den folgenden Jahrzehnten erlebte die Domowina Höhen und Tiefen, doch ihr Einsatz für die sorbische Identität blieb beständig. In den schwierigen Zeiten des 20. Jahrhunderts, die von Kriegen und politischen Umbrüchen geprägt waren, erwies sich die Domowina als wichtige Institution für das sorbische Volk. Sie diente nicht nur als kulturelles Bindeglied, sondern setzte sich auch aktiv für die Rechte und die Anerkennung des sorbischen Volkes ein.

  • 1936
    Sorbische Frauen beseitigen Trümmer für den Neubau des Hauses der Sorben in Budyšin | Bautzen im Jahr 1953, Fotograf: Kurt Heine, © Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut
    Sorbische Frauen beseitigen Trümmer für den Neubau des Hauses der Sorben in Budyšin | Bautzen im Jahr 1953, Fotograf: Kurt Heine, © Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

    In Zeiten des Nationalsozialismus

    Während der Zeit des Nationalsozialismus stand die Domowina vor existenziellen Bedrohungen. Die Nationalsozialisten unterdrückten die sorbische Kultur und Sprache. Die Domowina wurde verboten, Mitglieder wurden verfolgt. Dennoch setzte sich die Organisation im Verborgenen für die sorbische Identität ein und spielte auch nach dem Krieg eine wichtige Rolle bei der kulturellen Wiederbelebung.

    Sorbische Frauen beseitigen Trümmer für den Neubau des Hauses der Sorben in Budyšin | Bautzen im Jahr 1953, Fotograf: Kurt Heine, © Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut
  • 1950
    Die sorbische Künstlerin Hanka Krawcec prägte das visuelle Erscheinungsbild der Domowina entscheidend: Bis heute wird das Logo verwendet. © Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut
    Die sorbische Künstlerin Hanka Krawcec prägte das visuelle Erscheinungsbild der Domowina entscheidend: Bis heute wird das Logo verwendet. © Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut
    Die sorbische Künstlerin Hanka Krawcec prägte das visuelle Erscheinungsbild der Domowina entscheidend: Bis heute wird das Logo verwendet. © Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut
  • 1954
    Sorbische Delegation beim Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck, 1950; Fotograf: Kurt Heine, © Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut
    Sorbische Delegation beim Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck, 1950; Fotograf: Kurt Heine, © Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut

    Die staatliche Kontrolle der DDR

    Die DDR proklamierte zwar die nationale Einheit, übte aber Assimilationsdruck auf das sorbische Volk aus. Die Domowina befand sich in der schwierigen Lage, zwischen der Bewahrung der kulturellen Identität und der Anpassung an die staatliche Kontrolle zu balancieren. Die SED-Ideologie hat jedoch auch die Domowina erreicht, was zu Spannungen und Austritten aus der Domowina führte. Evangelische als auch katholische Priester stellten sich sogar öffentlich gegen den Dachverband. 

    Sorbische Delegation beim Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck, 1950; Fotograf: Kurt Heine, © Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut
  • 1990
    4. Hauptversammlung der Domowina 1997 in Chróscicy | Crostwitz
    4. Hauptversammlung der Domowina 1997 in Chróscicy | Crostwitz

    Wiedervereinigung

    Mit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 änderten sich die Rahmenbedingungen für die Domowina erneut. Die Organisation musste sich neuen Herausforderungen stellen und ihre Rolle in einer sich verändernden Gesellschaft neu definieren. Dabei gelang es der Domowina, sich als entscheidender Akteur im sorbischen Leben zu etablieren und ihre Aktivitäten zeitgemäß auszurichten.

    4. Hauptversammlung der Domowina 1997 in Chróscicy | Crostwitz

Heute ist die Domowina eine lebendige und dynamische Organisation, die eine zentrale Rolle in der sorbischen Gemeinschaft spielt.

Die Geschichte der Domowina ist eine Geschichte des unermüdlichen Wirkens für die sorbische Sprache und Kultur. Seit über 100 Jahren spiegelt sie die kontinuierliche Entwicklung und Anpassungsfähigkeit wider, die notwendig ist, um eine lebendige kulturelle Tradition zu bewahren und zeitgemäß zu gestalten.

 

Vorsitzende:

 

1913         Arnošt Bart | Barth
1927         Jakub Šewčik | Schewtschik
1930         Jan Křižan | Johannes Zieschang
1933         Pawoł Nedo | Paul Nedo
1951         Kurt Krjeńc | Krenz
1973         Jurij Grós | Georg Groß
1990         Bjarnat Cyž | Ziesch
1991         Jan Pawoł Nagel | Paul Nagel
1993         Jakub Brankačk | Brankatsck
2000         Jan Nuk | Nuck
seit 2011         Dawid Statnik

 


Einen historischen Abriss der Domowina-Geschichte bietet Dr. Annett Brězanec vom Sorbischen Institut. Hier geht es zum Beitrag.