Weihnachtsgrüße von Dawid Statnik, Vorsitzender der Domowina - Bund Lausitzer Sorben e. V.

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Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Freundinnen und Freunde unseres sorbischen Volkes, liebe Mitbewohnerinnen und Mitbewohner in der Lausitz und im Rest der Welt,

im Mittelpunkt der Weihnachtsbotschaft steht das Kind. Mit jedem Neugeborenen beginnt ein neuer Blick auf die Welt. Nachwuchsförderung heißt nicht, dass wir uns sozusagen neue Leute „backen“ wollen, die nur das weiterführen, was wir schon tun. Als Vater weiß ich, dass meine Kinder nicht mein Leben kopieren werden. Ich hoffe aber, dass sie zeitlebens in unserer sorbischen Muttersprache darüber nachdenken werden, wie sie leben wollen.

Ich habe mich in diesem Jahr für folgendes Zitat im Weihnachtsgruß der Domowina-Bund Lausitzer Sorben in den sorbischen Medien entschieden, das ich hier in Übersetzung erwähne: „Die ersten Worte meiner Mutter waren sorbische, liebliche, niemals werde ich die sorbischen Worte verachten, sorbisch spreche ich alle Tage meines Lebens.” Selbstverständlich haben wir auch diesen Spruch von Felix Heine in unsere Zeit zu übersetzen. Die ersten sorbischen Worte können auch aus dem Mund des Vaters kommen. Ja, sogar Verwandte, Freunde und Nachbarn können sozusagen der sorbische Inkubator sein, der im Kind eine sorbische Seele wachsen lässt. Wir nehmen wahr, dass sich immer mehr Eltern in der Lausitz, die nicht mehr oder noch nicht sorbisch sprechen, für ihr Kind eine Verwurzelung in der sorbischen Identität der Region wünschen.

Wir befinden uns im zweiten Jahr wichtiger politischer Weichenstellungen im Zusammenhang mit dem Strukturwandel der Region. Im Jahr 2020 haben wir es gemeinsam geschafft, dass das sorbische Volk im Strukturstärkungsgesetz des Bundes berücksichtigt worden ist. In diesem Jahr sind wir einen Schritt weitergekommen und stehen mittlerweile schon inmitten konkreter Regelungen des Rahmens und der Richtlinien für die künftige Förderung sorbischer Projekte. Die Projekte aber sind kein Selbstzweck, sondern der weitere Weg für die Bildung nachhaltiger Strukturen für künftige Sprachräume in der ganzen Lausitz.

2022 ist für uns das Zejler-Kocor-Jahr und weiterhin das Jahr der Domowina-Regionalverbände, deren 100. Gründungstag wir in diesem Jahr in Hoyerswerda/Wojerecy gefeiert haben. Wir hoffen auf ein doppeltes Festjahr mit vielen Höhepunkten. Es geht nicht um Heldenverehrung, sondern um Freude über gedeihlichen Zusammenhalt. Sogar unsere sorbische Hymne „Rjana Łužica”/ Schöne Lausitz ist Frucht der schöpferischen Freundschaft des Dichters Zejler und des Komponisten Kocor.

„Schöne Lausitz, ehrliche, freundliche, Land meiner sorbischen Vorfahren, Paradies meiner seligen Träume, heilig sind mir deine Fluren!“ Diesen Inhalt können wir auch im 21. Jahrhundert unterschreiben. Die Aussage am Schluss „ach, mögen aus deinem Schoß Männer hervorgehen, würdig ewigen Gedenkens!“ dagegen nicht mehr, weil hier die bessere Hälfte unseres Volkes fehlt, die Frauen.

 

Jakub Bart-Ćišinski, dessen Museum wie in Panschwitz/Pančicy zusammen mit der Gemeinde erneuern, ruft uns zu: „Geht mit der Zeit!” Unsere Vorfahren haben nicht erwartet, dass wir sie kopieren und unser Kulturerbe nur schützen. Denn nur das, was sich weiterentwickelt, kann auf der Welt fortbestehen. Das gilt auch für unsere Sprache und Kultur.

 

Auch im Jahr der Domowina-Regionalverbände steht der Wert des kreativen Miteinanders im Mittelpunkt. Nach dem Festakt in Hoyerswerda/Wojerecy anlässlich 100 Jahre Domowina-Regionalverbände haben wir angefangen, den Austausch zwischen den Regionen zu vertiefen und zu intensivieren. Das Sorbenland ist keine kleine Insel, sondern reicht vom Lausitzer Bergland bis nach Berlin. Auf der Domowina-Hauptversammlung in Schleife/Slepo konnten wir wieder aus dem Reichtum unserer Vielfalt schöpfen. Als Domowina kennen wir keine Kern- und Randgebiete – die sorbische Seele ist im Spreewald wie in Hochkirch/Bukecy zu Hause, einfach überall, wo sich Menschen für sorbisches Leben engagieren.

Die Nachfahren der sorbischen Auswanderer in Australien, die assoziierte Mitglieder der Domowina sind, wollen 2022 anlässlich von 800 Jahren Hochkirch/Bukecy die Heimat ihrer Vorfahren besuchen – das ist ein schönes Zeichen der globalen Basis unseres Dachverbandes. Und was wären wir ohne unsere Freunde in Tschechien und Polen, im Wendland und in den USA? Und nicht zuletzt schätzen wir viele treue Sorbinnen und Sorben außerhalb der Lausitz, die eine sorbische Familie haben und Verbindungen mit dem Sorbenland pflegen – so hat uns in diesem Jahr eine junge französische Sorbin bei der Digitalisierung des Archivs der Domowina in Bautzen/Budyšin unterstützt.

Weihnachten und Silvester 2021 feiern wir wie 2020 unter Pandemie-Bedingungen. Doch wir sind jetzt einen Schritt weiter, schließlich steht uns inzwischen Gott sei Dank die Impfung zur Verfügung. Wir haben es selbst in der Hand, ob noch eine fünfte Welle kommt oder bald Normalität zurückkehrt. Lassen Sie uns gemeinsam der Vernunft den Weg ebnen! Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien frohe, gesegnete Weihnachten und ein gesundes, glückliches neues Jahr!

 

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