Niedersorbische Persönlichkeiten

Die Niederlausitz hat zahlreiche Persönlichkeiten hervorgebracht, die mit ihrem literarischen, wissenschaftlichen und kulturellen Schaffen die sorbisch/wendische Identität nachhaltig geprägt haben.

Mato Kosyk | Matthias Kossick | Matthew Kossik

18.06.1853 Wjerbno | Werben
† 22.11.1940 Albion | Oklahoma (USA)

Mato Kosyk, der älteste Sohn eines Bauern aus Werben, gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der niedersorbischen Literatur. Seine Kindheit war von der wendischen Sprache sowie von Bräuchen und Liedern seiner Heimat geprägt. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Cottbus, das er aus finanziellen Gründen vorzeitig verlassen musste, zog er nach Leipzig und arbeitete bei der Eisenbahn. Dort traf er den Studenten Arnošt Muka, der ihn dazu ermutigte, sich autodidaktisch dichterische Fähigkeiten anzueignen.

Nach einer schweren Erkrankung kehrte Kosyk nach Werben zurück und arbeitete als Literat. In dieser Zeit entstanden Werke wie "Die wendische Hochzeit im Spreewald" sowie zahlreiche Gedichte und lyrische Texte. Er engagierte sich in der Maśica Serbska, der niedersorbischen  wissenschaftlichen Vereinigung, und arbeitete für die Zeitung "Bramborske Nowiny".

Im Jahr 1883 wanderte Kosyk in die USA aus, wo er Theologie studierte und als Pfarrer in verschiedenen Gemeinden tätig war. Trotz seines erfolgreichen Lebens in Amerika blieb seine Sehnsucht nach der Lausitz zeitlebens stark.
1886 besuchte er seine Heimat ein letztes Mal, konnte in Deutschland jedoch keine Anstellung als Pfarrer finden und kehrte in die USA zurück. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er als Pensionär und Farmer in Albion, Oklahoma.
Seine Werke sind ein bleibendes Erbe der niedersorbischen Literatur. Ihm zu Ehren trägt heute die Grundschule in Brjazyna | Briesen seinen Namen.

Mehr Informationen

 

Bogumił Šwjela | Gotthold Schwela

05.09.1873 Skjarbošc | Schorbus
† 20.05.1948 bei Naumburg

Bogumił Šwjela war eine prägende Persönlichkeit für die niedersorbische Kultur und Sprache. Geboren als Sohn des Kantors und Lehrers Christian Schwela, verbrachte er seine Kindheit in Schorbus und begann nach dem Gymnasium ein Studium der Theologie und Slawistik in Halle und Berlin. Nach Tätigkeiten als Hauslehrer in Potsdam und Hilfspfarrer in Cottbus wurde er Pfarrer in Nochten und Dissen.

Šwjela setzte sich intensiv für die Pflege und  den Erhalt der niedersorbischen Sprache ein. Er veröffentlichte Werke von Mato Kosyk, gründete die "Serbska knigłownja" mit Übersetzungen aus slawischen Sprachen und verfasste Manuskripte für deutsch-niedersorbische Wörterbücher. Zudem sammelte er Material für die "Flurnamen des Kreises Cottbus". Als Mitbegründer der Domowina im Jahr 1912 prägte er deren Ausrichtung maßgeblich und wurde ihr stellvertretender Vorsitzender. Er engagierte sich auch in der Maśica Serbska und als Redakteur niedersorbischer Zeitungen.

Nach dem Verbot wendischer Gottesdienste im Jahr 1941 zog Šwjela nach Rudolstadt. Auf dem Weg zurück in die Lausitz verstarb er 1948 bei Naumburg. Ihm zu Ehren steht seit 1969 ein Denkmal in Dešno | Dissen und in Chóśebuz | Cottbus trägt eine Straße in Neu-Schmellwitz seinen Namen.

Mehr Informationen

 

Mina Witkojc | Wilhelmine Wittka

28.05.1893 Bórkowy | Burg (Spreewald)
† 11.11.1975 Popojce | Papitz

Mina Witkojc, geboren in ärmlichen Verhältnissen in Burg (Spreewald), wurde zu einer der wichtigsten Dichterinnen und Publizistinnen der niedersorbischen Sprache. Nach ihrer Grundschulausbildung arbeitete sie zunächst als Dienstmädchen in Berlin und später in der Landwirtschaft in Burg. 1922 zog sie nach Bautzen, wo sie bei Arnošt Muka Sorbischunterricht erhielt und als Redakteurin sorbischer Zeitungen und Zeitschriften wie "Serbski Casnik" tätig wurde.

Witkojc engagierte sich zeitlebens für die niedersorbische Sprache und Kultur. Sie war Mitglied der Maśica Serbska, schrieb Gedichte, Artikel und Berichte und reiste in verschiedene slawische Länder, um sich politisch für Minderheiten einzusetzen. Nach einem Berufs- und Aufenthaltsverbot in der Lausitz während des Zweiten Weltkriegs kehrte sie 1954 nach Burg zurück.

Heute tragen in Burg die Grund- und Oberschule sowie die Spreewaldbibliothek ihren Namen. Im Cottbuser Ortsteil Neu-Schmellwitz wurde eine Straße nach ihr benannt. Das Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur verleiht alle zwei Jahre den Mina-Witkojc-Preis.

Mehr Informationen