Dom Měrćina Nowaka-Njechorńskeho | Martin Nowak-Neumann Museum

Im ehemaligen Wohnhaus des Malers, Schriftstellers und Publizisten Měrćin Nowak-Njechorński wird sein künstlerisches und geistiges Erbe lebendig bewahrt. Das Haus ist ein Ort der Erinnerung, Begegnung und Inspiration – ein Raum, in dem sorbische Kultur, Sprache und Geschichte weiterwirken und fortgeführt werden.

Měrćin Nowak-Njechorński – Maler, Schriftsteller und Publizist des sorbischen Volkes

Měrćin Nowak-Njechorński | Martin Nowak-Neumann gehört zu den bedeutendsten sorbischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sein Leben und Werk sind eng mit der sorbischen Kultur, Sprache und Identität verbunden. Mit unermüdlichem Einsatz für sein Volk und seine Heimat hinterließ er ein künstlerisches und publizistisches Erbe, das bis heute wirkt.

Leben und Werdegang

  • Geburt und Kindheit: Měrćin Nowak-Njechorński wurde am 13. Juni 1900 in Njechorń | Nechern geboren, einem kleinen sorbischen Dorf im östlichen Bautzener Land. Seine Kindheit war geprägt von den außergewöhnlichen familiären und religiösen Verhältnissen der Region. Der Laden der Familie, damals die Haupteinnahmequelle, schuf die Grundlage für seinen späteren Sinn für Geschichte und Tradition.
  • Ausbildung: Nach dem Kunststudium in Leipzig, Dresden, Prag und Warschau formte er sein künstlerisches Verständnis. Die Auseinandersetzung mit der sorbischen Volkskunst und seinen kulturellen Wurzeln prägte seinen Stil.
  • Beruflicher Weg: Von 1929 bis 1969 – unterbrochen durch Haft, Berufsverbot und Krieg von 1933 bis 1947 – arbeitete er als Redakteur und Chefredakteur sorbischer Zeitungen und Zeitschriften. Parallel dazu engagierte er sich in zahlreichen ehrenamtlichen Gremien, stets im Dienst der sorbischen Sache.

Wikipedia



Sein künstlerisches Schaffen

Měrćin Nowak-Njechorński widmete sein Leben dem Ziel, „Maler, Diener und Künder des sorbischen Volkes“ zu sein. Er strebte danach, eine nationale sorbische Kunst zu begründen, die tief in der Volkskultur verwurzelt ist.

Bildender Künstler

  • Seine Werke kombinieren Mythologie, Folklore und das sorbische Landleben zu romantisch-historisierenden Darstellungen.
  • Sagenfiguren wie der Wassermann, die Mittagsfrau oder die Lutki (kleine Sagenwesen) wurden durch ihn erstmals künstlerisch greifbar.
  • Man erkennt seine Werke eindeutig durch sein Signet: das Lindenblatt. Die Linde ist das Symbol des sorbischen Volkes.

Publizist und Schriftsteller

  • Als Autor verfasste er unzählige Reportagen, Aufsätze und Bücher, fast ausschließlich in Sorbisch
  • Sein Stil war poetisch, kritisch und eigenwillig, jedoch stets geprägt von der Liebe zur sorbischen Sprache und Kultur.
  • „Krabat“, sein erfolgreichstes Buch, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und machte ihn weit über die Lausitz hinaus bekannt. In seiner Version symbolisiert Krabat die Freiheit der Sorben und ihren Kampf um kulturelle Identität.

Übersetzer und Volkskundler

  • Er übersetzte Werke von Maxim Gorki, Nikolai Gogol, Alexander Puschkin, Anton Tschechow und Karel Čapek aus dem Russischen bzw. Tschechischen ins Sorbische – Sprachen, die er sich im Selbststudium aneignete.
  • Als Volkskundler sammelte er außerdem auf ausgedehnten Wanderungen durch die Lausitz wertvolle Informationen über sorbische Trachten und Bräuche, die er in zahlreichen Publikationen dokumentierte.

Kulturpolitisches Engagement
Měrćin Nowak-Njechorński war ein unermüdlicher Kämpfer für die nationale und soziale Gleichberechtigung der Sorben.

  • Nach 1945 vertrat er die sorbischen und slawischen Interessen auch im sozialistischen Kontext mit großem Nachdruck.
  • Er setzte sich für die Bewahrung der sorbischen Identität ein und wurde dafür hoch geehrt.


Vermächtnis und Gedenken

  • Měrćin Nowak-Njechorński starb am 6. Juli 1990 in seinem Geburtshaus in Njechorń | Nechern. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Hrodźišćo | Gröditz.
  • Sein Geburtshaus wurde gemäß seinem Testament zum Martin-Nowak-Neumann-Haus, einem Museum und kulturellen Begegnungsort. Es bietet Einblicke in sein Leben, seine Kunst und seine Verdienste für das sorbische Volk.

Ihr Besuch im Martin Nowak-Neumann-Haus

Derzeit werden keine Führungen angeboten, das Haus wird saniert.

Digitale Führung in sorbischer Sprache

Link zur digitalen Führung


Flyer (Obersorbisch)

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Im Jahre 2025 wurde ein Freundeskreis des Hauses von Martin Nowak-Neumann gegründet, welcher sich regelmäßig in Nechern trifft.


Interessante Links

Schulmuseum „Korla Awgust Kocor“ in Stróža | Wartha

Das Schulmuseum vermittelt anschaulich die Geschichte des sorbischen Schulwesens und zeigt, wie Lernen und Unterricht einst gestaltet wurden. Historische Materialien, Möbel und Dokumente machen sorbische Bildungstradition unmittelbar erlebbar.

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Haus der Tausend Teiche in Stróža | Wartha

Das Besucherzentrum informiert über die einzigartige Teichlandschaft der Oberlausitz. Interaktive Ausstellungen und Führungen verbinden Naturwissen mit regionaler Kultur und laden dazu ein, das Ökosystem aktiv zu entdecken.

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Sorbisches Museum Budyšin | Bautzen

Das zentrale Museum zur Geschichte und Kultur der Sorben in der Lausitz. Dauer- und Sonderausstellungen, Veranstaltungen und museumspädagogische Angebote machen sorbisches Leben, Sprache und Traditionen sichtbar und verständlich.

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Sorbische Kulturinformation Budyšin | Bautzen

Anlaufstelle für Fragen rund um sorbische Kultur, Sprache und Veranstaltungen. Die Einrichtung informiert, vernetzt und unterstützt Kulturprojekte in Stadt und Region.

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Schirach-Rundweg in Busyšink | Kleinbautzen

Der Themenweg erinnert an die sorbische Schriftstellerin Marja Kubašec und führt durch Landschaft und Orte, die ihr Werk prägten. Tafeln und Stationen geben Einblicke in Literatur, Geschichte und regionale Identität.

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Königsweg bei Bělšecy | Ebendörfel

Ein historischer Wanderweg mit weiter Aussicht über die Lausitzer Landschaft. Er verbindet Naturerleben mit regionaler Geschichte und lädt zum Innehalten und Entdecken ein.

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Alojs Andricki - Lehrpfad

Ein spiritueller Lehrpfad führt von der alten Kirche am Dorfplatz in Radwor | Radibor über sechs Stationen mit zweisprachigen Info- und Audiotafeln durch das Ortszentrum bis zum Kinderhaus Alojs Andricki.

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