Die Niedersorbische Sprachkommission ist ein von der Maśica Serbska berufenes und autorisiertes Gremium für die Kodifizierung des schriftsprachlichen Niedersorbischen. Sie beschäftigt sich mit allen Bereichen der Schriftsprache, in denen Regulierungs- und Normierungsbedarf besteht.
Niedersorbische Sprachkommission
Auf der Basis sprachwissenschaftlicher Forschungsergebnisse und unter Berücksichtigung der Sprachpraxis erarbeitet sie Regeln und Empfehlungen für die praktische Verwendung der niedersorbischen Schriftsprache. Gleichzeitig muss mit Blick auf Änderungen in der Sprachpraxis darauf geachtet werden, dass ehemalige Bestimmungen kontrolliert und bei Bedarf den neuen Umständen angepasst werden. Damit möchte die Sprachkommission zur Festigung und Entwicklung des schriftsprachlichen Standards beitragen.
Zu ihren Aufgaben zählt die Klärung orthoepischer, orthographischer, die Interpunktion betreffender, morphologischer, lexikalischer und syntaktischer Fragen.
Schwerpunkt der Tätigkeit der Sprachkommission ist die Anwendung der Schriftsprache in der Praxis. Deshalb gehören ihr neben sorbischen Sprachwissenschaftlern (Mitarbeiter des Sorbischen Instituts und des Instituts für Sorabistik der Universität Leipzig) auch Mitarbeiter solcher sorbischen Institutionen an, in denen die Anwendung und Verbreitung der niedersorbischen Schriftsprache eine große Rolle spielt: der sorbischen Bildungsinstitutionen (Schulen, Schule für niedersorbische Sprache und Kultur, WITAJ-Sprachzentrum , Arbeitsstelle für sorbische Bildungsentwicklung Cottbus [ABC]) und der sorbischen Medien (Buchbereich des Domowinaverlags, Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunk).
Vorstand und Mitglieder
Sprecher
Dr. Fabian Kaulfürst (Sorbisches Institut)
Kontakt: fabian.kaulfuerst@serbski-institut.de
Mitglieder
Dr. Hauke Bartels (Sorbisches Institut)
Margot Haschke
Ute Henschel (Schule für niedersorbische Sprache und Kultur)
Bernd Melcher (WITAJ-Sprachzentrum)
Werner Meschkank (Sorbisches Museum)
Janka Pěčkojc-de Lévano (Domowina-Verlag)
Dr. Christiana Piniek (Arbeitsstelle für sorbische/wendische Bildungsentwicklung Cottbus [ABC])
Manfred Starosta
Marion Stensel (Sorbischer Rundfunk, rbb)
Stanislav Tomčík (Institut für Sorabistik, Leipziger Universität)
Gregor Wieczorek (Nowy Casnik)
stellvertretende Mitglieder
Adelheid Daume (Nowy Casnik)
Martina Gollasch (Sorbischer Rundfunk, rbb)
Ingrid Hustädt (Sprachzentrum WITAJ)
Christina Kliem (Sorbisches Museum)
Prof. Dr. Eduard Werner (Institut für Sorabistik, Leipziger Universität)
Zur Geschichte der Niedersorbischen Sprachkommission
Erste Versuche, das Niedersorbische zu kodifizieren und zu normieren, sind aus dem 17. Jahrhundert bekannt: Johannes Chojnanus schrieb 1650 eine Grammatik, die zwar nie gedruckt wurde, die aber mehrfach abgeschrieben und rezipiert wurde. Mehr als einhundert Jahre später, nämlich 1761, erschien die erste gedruckte niedersorbische Grammatik aus der Feder von J. G. Hauptmann. Im Jahre 1847 wurde dann in Bautzen die Maćica Serbska gegründet, 1880 entstand in Cottbus ihre niedersorbische Abteilung, die Maśica Serbska. Diese sorgte für die Herausgabe verschiedener niedersorbischer Drucke und machte so die Bevölkerung der Niederlausitz mit der Schriftsprache bekannt. Natürlich wahr man dabei um ein gutes, reines Niedersorbisch bemüht. Trotzdem waren puristische Tendenzen nicht allzu ausgeprägt.
Zu einem klaren Einschnitt in der Entwicklung der niedersorbischen Schriftsprache kam es nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 1950er Jahren. Damals wurde die bis dahin verwendete Frakturschrift durch lateinische Lettern ersetzt. Gleichzeitig wurde eine neue Rechtschreibung eingeführt, so dass sich das geschriebene Niedersorbische visuell plötzlich massiv veränderte. Außerdem gab es auch in anderen Sprachebenen Eingriffe: Im Bereich der Lexik wurden traditionelle Lehnwörter aus dem Deutschen durch solche ersetzt, die aus dem Obersorbischen oder aus anderen slawischen Sprachen stammten. Auch im Bereich der Morphologie und Syntax kam es zu größeren Unterschieden zwischen der Schriftsprache und der ursprünglichen, dialektalen Form des Niedersorbischen. Insgesamt führte dies zu einer kritischen Distanz vieler Muttersprachler zur Schriftsprache und verstärkte somit die Tendenz, sich vom Niedersorbischen – egal in welcher Existenzform – abzuwenden.
Im Oktober 1952 wurde im damaligen Institut für sorbische Volksforschung in Bautzen, damals der Deutschen Akademie der Wissenschaften (ab 1972: Akademie der Wissenschaften der DDR) in Berlin zugeordnet, die erste »Obersorbische Sprachkommission« gegründet. Ein entsprechendes Gremium für das Niedersorbische wurde damals nicht ins Leben gerufen. Dies änderte sich erst 1979. Damals wurde eine Sorbische Sprachkommission mit einer besonderen, niedersorbischen Untergruppe gegründet, die ein geborener Niedersorbe, der Diplomslawist Manfred Starosta leitete. Er erweiterte die Gruppe um niedersorbische Muttersprachler, das waren beispielsweise Margita Heinrichowa, Hermann Jahn sowie der Pfarrer Herbert Nowak. Grundlage der Arbeit der Sprachkommission waren folgende, hierarchisch geordnete Prinzipien:
1. Kommunikativität (die Bedeutung eines Worts bzw. einer grammatischen Form sowie die Aussprache derselben muss bekannt und anerkannt sein; Neubildungen müssen verständlich sein)
2. Niedersorbisches slawisches Wesen (Blick auf historisch entstandene niedersorbische Besonderheiten)
3. Innersorbische Einheitlichkeit (falls sie nicht mit den ersten beiden Prinzipien kollidiert; zur Anwendung gelangte dieses Prinzip in der Praxis vor allem im Bereich der Terminologie und in Teilbereichen der Orthographie (Groß- und Kleinschreibung, Zusammen- bzw. Außeinanderschreibung, Interpunktion u. a.).
Kurz nach der politischen Wende 1989/1990 wurde die Maćica Serbska mit ihrer niedersorbischen Abteilung Maśica Serbska wieder ins Leben gerufen. Auf der Hauptversammlung des Vereins wurde 1994 beschlossen, dass zwei separate Sprachkommissionen für das Ober- und Niedersorbische gegründet werden. Seither arbeitet die Niedersorbische Sprachkommission selbstständig.
Literatur:
- Kaulfürst, F.: Statkowanje Dolnoserbskeje rěčneje komisije w slědnych 30 lětach, w: A. Pohončowa, Th. Jacobsowa, I. Kellerowa (wud.), Wědomosć za wšitkich. Maćica Serbska / Maśica Serbska po 1990, str. 119-127
Informationen zur niedersorbischen Orthografie finden Sie hier: www.dolnoserbski.de/ortografija
Berichte der Niedersorbischen Sprachkommission
Hier finden Sie die Berichte der Niedersorbische Sprachkommission aus den Jahren 2009–2024 in gesammelter Form.

Berichte 2009–2024
Download .pdf (124,87 KB)Informationen zur niedersorbischen Rechtschreibung finden Sie hier
