Druckerei August Lapstich 

Awgust Lapštich | August Lapstich

Schriftsetzer, Buchdrucker, Druckereibesitzer, Redakteur, sorbischer Patriot und engagierter Bürger der Stadt Hoyerswerda 

August Lapstich wurde am 5. Oktober 1862 im damals völlig sorbischen Dorf Groß Särchen geboren. Dort besuchte er auch die Volksschule. Auf dieser Schule unterrichtete der bekennende Sorbe Jan Mrózak. Mit ihm sollte sein Schüler später gemeinsam für das Sorbentum wirken. Nach seinem Schulabschluss erlernte er in Hoyerswerda den Beruf des Schriftsetzers und Druckers. Diese Ausbildung absolvierte er sicherlich in der Druckerei des Sorben Gustav Wenzel, die von 1874 bis 1887 existierte. Wenzel als Mitglied der sorbischen Vereinigung Maćica Serbska, die sich vor allem auch der Publikation sorbischer Bücher und Zeitschriften widmete, übte wahrscheinlich auch Einfluss auf den jungen Lapstich in Richtung des Engagements für die sorbische Sache aus.

Eine bestimmte Zeit arbeitete Lapstich in Lübben, sogar als Geschäftsführer einer dortigen Druckerei. Nach Hoyerswerda zurück- kehrend befähigte er sich fachlich weiter in der Hentschelschen Buchdruckerei (Nachfolgerin der Druckerei Wenzel von 1887 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts). Er sammelte auch Erfahrungen bezüglich der Herausgabe, des Satzes und des Drucks von Zeitungen. Wenzel und Hentschel waren ab 1881 bzw. 1887 die Herausgeber der Zeitung “Hoyerswerdaer Kreisblatt” mit einem amtlichen und einem nichtamtlichen Teil. Zugleich wurde dort seit 1885 die niedersorbische

Zeitung “Bramborski Casnik” gedruckt. Im Jahre 1887 veröffentlichte die obersorbische Wochenzeitung “Serbske Nowiny” ein Lob, dass diese niedersorbische Wochenzeitung unter der sachverständigen Hand des Schriftsetzers Lapstich ganz korrekt herausgegeben wurde. Zum 25. Jubiläum des “Bramborski Casnik” wurde erneut hervorgehoben, “seit einigen Jahren setzt ihn die sachverständige Hand des Oberlausitzer Sorben, des Herren Lapstich in Hoyerswerda” (Serbske Nowiny 12.01.1889 – Übersetzung des Autors).

Am 11. Juni 1890 verheiratet sich Lapstich mit Auguste Böhme aus der Gemeinde Amtsanbau (Gemeinde schließt sich am 15.10.1890 an Hoyerswerda an). Er hat mit ihr zwei Söhne und eine Tochter, Armand, Rudolf und Elisabeth. Die Ehefrau erbte von den Urgroßeltern ein Grundstück im Haag. Hier richtet sich August Lapstich im Jahre 1897 seine eigene Druckerei (Haag 1) ein. Nebenan erbaute er das Wohnhaus der Familie.

Nach seinem Tode im Jahre 1926 war seine Ehefrau bis zu ihrem Tode am 17. August 1932 die Besitzerin der Druckerei. Die Kinder führten ab 1933 die Firma unter dem Namen “Buchdruckerei A. Lapstich” weiter, bis 1935 alle gemeinsam und danach bis 1945 die Söhne Armand und Rudolf.

Die “Buchdruckerei August Lapstich” wurde im Jahre 1897 in das Handelsregister eingetragen. Die Druckerei hatte deutsche und sorbische Drucktypen. Damit war es möglich, in beiden Sprachen zu drucken. Die Buchdruckerei von August Lapstich war somit eine weitere Etappe des sorbischen Buchdrucks in Hoyerswerda, welcher im Jahre 1844 bei Carl Ihring in der Senftenberger Straße 17 eingeleitet worden war.

Lapstich übernahm ab April 1899 bis Ende 1915 den Druck der niedersorbischen Zeitung “Bramborski Casnik”. Diese Zeitung hatte er davor schon in den Druckereien von Gustav Wenzel und Oscar Hentschel gesetzt. Ab Dezember 1904 bis Mai 1913 war er Verleger und Drucker der niedersorbischen kirchlichen Zeitschrift “Wosadnik”, die monatlich erschien.

Zudem druckte er auch sorbische Bücher, insbesondere in niedersorbischer Sprache wie zum Beispiel eigene Werke bzw. Übersetzungen von Hendrich Jordan und Gotthold Schwela (Bogumił Šwjela), Bücher der niedersorbischen Vereinigung Maśica Serbska und nicht zuletzt religiöse Schriften wie Gebete und Luthers kleinen Katechismus. Er war selbst auch Mitglied der niedersorbischen Vereinigung Maśica Serbska, die sich in erster Linie der Herausgabe und Verbreitung niedersorbischer Bücher widmete.

Er gab Erzählungen des Hoyerswerdaer Pfarrers Jan Emanuel Dobrucky wie “Daniel w lawowej jamje” (Daniel in der Löwengrube) und “Handrij, der wendische Kirchenvater” in obersorbischer und deutscher Sprache heraus.

Ab dem Jahre 1898 gab er eine eigene deutschsprachige Zeitung mit dem Titel “Hoyerswerdaer Nachrichten” heraus. Am Anfang erschien sie zweimal wöchentlich, später dreimal. Die Redaktion sowie Druck und Verlag übernahm Lapstich selbst. Seine Ehefrau unterstützte ihn als treue Helferin und Mitarbeiterin. Sie schrieb auch Gedichte für die Zeitung (unter dem Zeichen A.L.), die sehr beliebt waren.

Im Jahre 1920 vertraute ihm der Kreistag Hoyerswerda den Druck der amtlichen Mitteilungen des Kreises an. Seine Zeitung erweiterte sich auf der Grundlage eines Vertrages mit dem Kreisausschuss und hieß ab dem 1. Oktober 1920 “Hoyerswerdaer Nachrichten. Amtliches Kreisblatt”.

Sie erschien dreimal pro Woche.

a) Mitbegründer, Schriftführer, Organisator des Vereinslebens und die längste Zeit (33 Jahre) Vorsitzender des Hoyerswerdaer wendischen Bauernvereins
August Lapstich initiierte zusammen mit seinem ehemaligen Lehrer Jan Mrózak und dem sorbischen Kaufmann Jurij Valtin die Gründung des Hoyerswerdaer wendischen Bauernvereins.

Am 28. Dezember 1884 erhielt er auf der Gründungsversammlung den Auftrag, den Ausschuss für die Erarbeitung der Satzung zu leiten. Diese wurde auf einer weiteren Versammlung am 11. Januar 1885 beschlossen. Die Satzung wurde in der Druckerei von Gustav Wenzel in sorbischer Sprache gedruckt. Wir können davon ausgehen, dass den Text Lapstich als Schriftsetzer selbst gesetzt hat. Auf der Versammlung zur endgültigen Gründung des Vereins am 1. Februar 1885 wurde Lapstich als Schriftführer in den Vorstand gewählt.

1885/86 war er Redakteur der Zeitschrift des Vereins “Časopis Wojerowskeho serbskeho burskeho towarstwa”, die in drei Ausgaben erschien. Belegexemplare schenkte Lapstich der Bücherei der Maćica Serbska in Bautzen, wovon leider nur die Nr. 1 erhalten blieb.

Lapstich war der Organisator der sorbischen Abende, der Erntedankfeiern und anderer Feste sowie der jährlichen Gründungsfeiern des Vereins. Darüber hinaus leitete er die Thatergruppe des Vereins und spielte selbst in den Stücken mit. Er sang selbstgeschriebene Lieder zur Eröffnung von Vereinshöhepunkten. Im Jahre 1893 wurde er erstmals als Vereinsvorsitzender gewählt.

Er übte diese Funktion bis zu seinem Tode im Jahre 1926 aus, also 33 Jahre. 1913 wurde er von der Schlesischen Landwirtschaftskammer mit einer Goldmedaille für 20 Jahre hervorragender Tätigkeit als Vorsitzender des Hoyerswerdaer wendischen Bauernvereins ausgezeichnet.


b) Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Domowina
Er unterstützte die Gründung der Domowina am 13. Oktober 1912 im Härtelschen Gesellschaftshaus. In diesem Haus war 27 Jahre zuvor auch der Hoyerswerdaer wendische Bauernverein gegründet worden. Lapstich wirkte mit seinem sorbischen Verein als Gastgeber dieses für die Sorben so wichtigen Ereignisses. Er arbeitete bei der Erstellung der Satzung mit. Bei der abschließenden Gründung am 9. Februar 1913 an gleicher Stelle wurde er als Stellvertreter des 1. Schriftführers in den Vorstand der Domowina gewählt.


c) Unterstützer der Bemühungen um die Rechte des sorbischen Volkes und die Selbständigkeit der Lausitz
Nach dem 1. Weltkrieg unterstützte Lapstich die Bemühungen des Wendischen Bundes unter der Führung des Domowina-Vorsitzenden Arnošt Bart um einen eigenen Staat bzw. um die territoriale Einheit und Autonomie der Lausitz. Er wurde auf der großen sorbischen Volksversammlung im Schützenhaus am 15.12.1918 in den Wendischen Nationalausschuss delegiert. Dieser Versuch zur Erlangung der Autonomie der Sorben scheiterte aber.

1921/22 leistete er Unterstützung bei der Erneuerung der Domowina und der Bildung des Domowina-Regionalverbandes (župa) “Handrij Zejler” für die preußische Oberlausitz.

Lapstich war eine sehr aktive und anerkannte Persönlichkeit der Stadt. So wirkte er in verschiedenen städtischen Vereinen mit. Er wurde in deren Vorstände und sogar als Vorsitzender gewählt. Es folgt ein Überblick hierzu:

  • Er sang im “Männer-Gesang-Verein 1852” und war dort von 1910 bis 1921 Vorsitzender, danach Ehrenvorsitzender.
  • Er trieb Sport im Männer-Turnverein, war Vorstandsmitglied und einige Zeit auch hier Vorsitzender.
  • Er war Gründer und Vorsitzender des “Radfahrvereins 1910”.
  • Er war Mitglied bei den privilegierten Schützen und bei drei örtlichen Kriegervereinen.
  • Er war aktiv im Bürgerverein, von welchem er für die Kommunalwahlen aufgestellt und von den Wählern mehrmals gewählt wurde. So kümmerte er sich als langjähriger Stadtverordneter mit um die Geschicke der Stadt.

Autor: Werner Srocka aus Kinajcht | Kühnicht