Sorbische Tracht der Region

Die Region Wojerecy | Hoyerswerda bewahrt eine besondere Form der sorbischen Tracht, geprägt von schlichter Schönheit, kräftigen Farben und handwerklicher Präzision. Bis heute wird sie zu Festtagen, kirchlichen Anlässen und kulturellen Höhepunkten getragen – ein lebendiges Zeichen regionaler Identität.

 

Lebendige Tracht der evangelischen Sorben der Region Wojerecy | Hoyerswerda

In der Stadt Wojerecy | Hoyerswerda wird die evangelische Tracht getragen, im Ortsteil Němcy | Dörgenhausen auch die katholische Tracht. 
Zum Hoyerswerdaer Trachtengebiet gehören 28 Ortschaften. In der Region wird überwiegend die evangelische Tracht getragen. Die Böden der Region waren früher karg und brachten geringe Erträge. Dazu kam seit Ende des vorigen Jahrhunderts der Braunkohlenbergbau, der den Böden das Grundwasser entzog. Die Bauern blieben wirtschaftlich schwächer als in anderen Regionen. Das spiegelte sich sowohl in ihrer Lebensweise als auch in der sorbischen Tracht wider. Beide sind durch Einfachheit und Ursprünglichkeit gekennzeichnet. In den Trachten dominieren klare, kräftige Farben aus Leinen- und Wollstoffen. Typisch für die Sonn- und Festtagstracht der Mädchen und jungen Frauen sind:

  • ein orangefarbener Oberrock,         
  • eine schwarzseidene Haube mit Schleifen im Nacken und die gleich geformte weiße Mädchen-Tüllhaube
  • eine gestreift gemusterte Schürze sowie ein
  • Musselintuch.

Zu allen Trachtenvariationen gehört als Unterkleidung: 

  • ein dicker Watterock, der dem Oberrock die grockenförmige Gestalt gibt
  • ein weißer einfacher Unterrock
  • eine weiße Bluse (kitlik).

Da echter Schmuck in der Vergangenheit für die Bevölkerung der Heidegebiete unerschwinglich war, wurde er durch Glasperlen und Flitter imitiert. 
Dafür finden sich wundervolle Stickereien, wie bspw. die Kreuzstich- und Lochstickerei. Eine unendlich mühlevolle Arbeit, in das feine Leinen hunderte von ovalen Löchern einzuschneiden, sie mit Garn zu umstechen und mit filigranartigem Netzwerk wieder zu füllen. Das Sticken einer Festtagsschürze erforderte mehrere hundert Stunden geduldiger Stickarbeit.

Die Männertracht glich sich im 19. Jahrhundert der deutschen Kleidung an. Am längsten hat sich der lange blaue Mantel mit rotem Futter und glänzenden Knöpfen erhalten. Weitere Trachtenelemente, wie Hosen, Westen und Jacken aus Leinwand oder die blaue Latzschürze, erhielten sich in der Arbeitskleidung. 

Regionale Besonderheiten in den Festtrachten kennzeichnen die Vielfalt dieser Tracht. Insgesamt gibt es rund 60 Trachtenvarianten, was sich u. a. im unterschiedlichen Kopfputz der Braut und der Brautjungfern der einzelnen Kirchspiele zeigt.

Zu besonderen Anlässen, wie zum Dorffest, Maibaumwerfen, Heimattag oder zum Erntedankgottesdienst wird die Festtags- und Kirchgangstracht zunehmend von Kindern und Jugendlichen getragen. Die Vielfalt der Tracht wird auch bei den Auftritten der Chöre und Tanzgruppen gezeigt.