Prašenja župneho předsydstwa Domowinskeje župy “Handrij Zejler” Wojerecy na kandidatow k wólbam wyšeho měšćanosty města Wojerecy 2020 |Fragen des Vorstandes des Domowina-Regionalverbandes „Handrij Zejler“ Hoyerswerda

1. Welche Beziehung haben Sie zu den Sorben und ihrer Kultur in Hoyerswerda und der Region? Kajki je Waš poćah k Serbam a jich kulturje we Wojerecach a regionje?

Dorit Baumeister (Wahlbündnis für Dorit Baumeister – DIE LINKE / Bündnis 90/Die Grünen – Aktives Hoyerswerda):

Als typisches Neustadtkind bin ich mit der Vogelhochzeit aufgewachsen. Meine heutige Beziehung zum Sorbentum basiert auf meiner beruflichen Laufbahn als Architektin (Bsp. Bürgerzentrum Braugasse 1/ Gründungsort Domowina) und Citymanagerin, kulturellen Erlebnissen und persönlichen Interesse. Das aktive sorbische Leben in Form von Bräuchen und Traditionen nehme ich vorrangig in unseren Ortsteilen wahr. Die Stadt selber verfügt nur noch über wenige Spuren.

Dirk Nasdala (Einzelbewerber):

1997 kam ich wegen des Berufs nach Hoyerswerda und lernte meine Frau kennen, die aus einer sorbischen Familie stammt. Ich war vom Gesang des Chores Seidewinkel, der auch viele sorbische Lieder singt, derart beindruckt, dass ich seither dort im Bass mitsinge. Als wir 1999 heirateten, nahm ich den sorbischen Namen meiner Frau an. Noch bevor unser erstes Kind zur Welt kam, engagierten wir uns gemeinsam mit anderen werdenden Eltern dafür, dass der Sorbische Schulverein das Witaj-Konzept im Kindergarten Pumpot in Dörgenhausen umsetzt. Später lernten dort unsere Kinder spielerisch sorbisch, was sie noch bis zum Ende ihres jeweiligen Besuchs der Grundschule am Adler "Handrij Zejler" fortsetzen konnten. Ich bin als Stadtrat Mitglied seines Beirates für sorbische Angelegenheiten und war einige Jahre dessen Vorsitzender. In dieser Zeit konnten wir einiges insbesondere hinsichtlich der Beachtung sorbischer Belange durch die Verwaltung und die Unternehmen unserer Stadt sowie bei der zweisprachigen Beschriftung von öffentlichen Einrichtungen, Straßen etc. und der Haltestellenansagen in den Bussen unseres Stadtverkehrs erreichen. Auch als Mitglied des Gemeindekirchenrates der Ev. Johanneskirchengemeinde setze ich mich für die Pflege der sorbischen Sprache und Kultur ein. So organisieren wir schon seit mehr als 12 Jahren jährlich den Sorbischen Heimattag. Dazu pflege ich auch als Synodaler der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gute Beziehungen zu den Vereinen unseres Regionalverbandes der Domowina und zum Bundesvorstand der Domowina selbst. Aus Interesse an der Sprache habe ich auch den Grundkurs erfolgreich absolviert und höre gern zu, wenn sich Sorben in ihrer Muttersprache unterhalten.

Torsten Ruban-Zeh (SPD):

Bereits 2000 bei meinem Zuzug nach Hoyerswerda hatte ich erste Berührungspunkte mit den Sorben und ihrer Kultur. Die sorbische Kultur ist ein fester Bestandteil unserer Region und wir alle haben eine Verantwortung diese zu pflegen. Ohne Achtung der Herkunft wird es keine ZUKUNFT geben. Ich kann mich noch sehr gut an sorbische Frauen in Trachten erinnern, die in unserem Globus Ihre Einkäufe erledigten. Durch meine sehr guten Russischkenntnisse (als Kind zum Teil in Moskau aufgewachsen), war ich in der Lage mich im Gröbsten zu verständigen. Allerdings haben sorbische Kolleginnen und Kollegen gern geholfen, um alles verstehen zu können. Leider sieht man die sorbische Tracht heute im Alltag nur noch sehr selten.

Mit meiner Frau, gebürtig in Moskau und unseren Kindern lieben wir es, direkt an dem sorbischen Brauchtum teilzuhaben. Gern schauen wir zum Osterreiten, der Vogelhochzeit oder anderen Höhepunkten zu. Auch meine heutige Tätigkeit, als Geschäftsführer der AWO Lausitz, mit unseren Kindertagesstätten “Krabat” und “Lutki Haus” bringt uns immer wieder in direkten Kontakt mit der sorbischen Kultur.

Hoyerswerda muss auch hier wieder mehr seine ursprüngliche Geschichte hervorkehren. Zur Erlangung des Stadtrechtes 1423 überwog in Hoyerswerda die sorbische Bevölkerung. Die sorbische Kultur ist somit unumgänglich mit unserer Stadt verbunden. Gelebt wird die sorbische Tradition aber vor allem überwiegend nur noch in den Ortsteilen unserer Stadt und den Umlandgemeinden. Hier haben wir Aufholebedarf.

Claudia Florian (CDU):

Ich bin in Hoyerswerda geboren und aufgewachsen. Auch wenn meine Familie keine sorbischen Wurzeln hat, ist mir die Präsenz der Zweisprachigkeit in Hoyerswerda bewusst. Sprache und Kultur der Sorben ist prägend für die Stadt. Auch wenn dies mit der Industrialisierung zunehmend in den Hintergrund geraten ist, haben sich deutsche und sorbische Kultur immer gegenseitig befruchtet. Ich kenne mehrere Sorben, mit denen ich in der Vergangenheit gut zusammenarbeiten konnte.


2. Welche Rolle sollte die sorbische Gemeinschaft im Prozess des Strukturwandels übernehmen?
Kotru rolu měli Serbja w procesu strukturneje změny hrać?

Dorit Baumeister (Wahlbündnis für Dorit Baumeister – DIE LINKE / Bündnis 90/Die Grünen – Aktives Hoyerswerda):

Das sorbische Leben sollte deutlich mehr Sichtbarkeit im Alltag erlangen. Als lebendige Kultur, welche die Bräuche und Traditionen pflegen und sich verstärkt über zeitgenössische, junge Ausdrucksformen präsentiert. Ich begreife die sorbische Kultur als Alleinstellungsmerkmal, als prägenden Teil unserer Lausitzer Identität.

Hoyerswerda selbst, verfügt über sehr gutes Potential, den Strukturwandel zur Einpflege neuer sorbischer Formate zu nutzen. Formate die uns wirtschaftlich und kulturell bereichern. Mein Wahlprogramm lenkt daher zur Förderung der sorbischen Kultur den Fokus auf die Kreativwirtschaft. Also die Stärkung der jungen Musik- und Filmszene, die Etablierung neuer Angebote wie junge Fashion Mode, modernes Kunsthandwerk, Produkt- und Grafikdesign, innovative Gastronomie etc. Hoyerswerda mausert sich zum Trendsetter, zum Hot Spot für junges sorbisches Leben in Verbindung mit Brauchtum und Tradition, das wäre mein Idealbild.

Dirk Nasdala (Einzelbewerber):

Ich bin davon überzeugt, dass der sorbischen Gemeinschaft dabei eine entscheidende Bedeutung zukommt. Dieser muss sie sich selbst vor allem noch stärker bewusst werden. Als meine Aufgabe sehe ich, die sorbische Gemeinschaft darin weiterhin zu bestärken. Neben zahlreichen Industriebranchen wollen wir auch die Tourismusbranche weiter etablieren und entwickeln. Daraus erwachsen neue Chancen für die Kreativwirtschaft, um vor allem auch im Alltag und nicht nur zu Folklorefesten unser Alleinstellungsmerkmal als Zentrum im deutsch-sorbischen Siedlungsgebiet erlebbarer werden zu lassen. Ich hoffe und wünsche, dass die Vereine unseres Regionalverbandes mit Unterstützung der Stiftung für das Sorbische Volk und der Domowina hier Anknüpfungspunkte suchen und finden, um ihre Aktivitäten auch mit mehr jungen Mitgliedern auszubauen. So kann es uns gemeinsam gelingen, die Folgen der Zurückdrängung des sorbischen Siedlungsgebietes durch die Braunkohleindustrie abzumildern und neue Grundlagen zur Pflege der sorbischen Sprache und Kultur zu legen.

Torsten Ruban-Zeh (SPD):

Die sorbische Gemeinschaft, als ein fester Bestandteil unserer Region ist unweigerlich mit dem Strukturwandel verbunden. Die vor uns liegenden Jahre werden entscheidend für die Region und aller in der Region lebenden Menschen sein. Gemeinsam müssen wir es, mit Hilfe der Strukturfördermittel verstehen, auch diese Seite unserer Herkunft wieder herauszustellen. Gelingen wird dies aber auch nur, durch eine starke Vertretung der Sorben. Wir müssen die Domowina stärken und in alle Belange unseres städtischen Lebens fest einbinden. Nur eine starke Domowina wird auch die Interessen der Sorben im Strukturwandel vertreten können.

Claudia Florian (CDU):

Eine aktive Rolle.

Durch die Kohlegewinnung in der Region sind viele sorbische Dörfer zum Opfer gefallen. Das war ein großer Verlust für die sorbische Gemeinschaft. Auch Hoyerswerda wurde zur neuen Heimat von vielen Dorfbewohnern, die ihre Häuser verlassen mussten. Umso wichtiger ist es jetzt, dass die sorbische Gemeinschaft in die Diskussion und Ideengebung des Strukturwandels einbezogen wird. Nur dadurch ist gesichert, dass die Zweisprachigkeit der Region auch in Zukunft gesichert bleibt, weil hier weiterhin deutsche und sorbische Bürger miteinander arbeiten und leben. Vielleicht gelingt es, dass wesentlich mehr Menschen ganz bewusst die sorbische Sprache erlernen und damit aktiv die sorbische Kultur pflegen, was der Region ein Alleinstellungsmerkmal sichert.


3. Wie wollen Sie das Erlernen der sorbischen Sprache vom Kindergarten bis zum Gymnasium und zur Berufsschule sowie auch in der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung unterstützen?
Kak chceće nawuknjenje serbšćiny wot pěstowarnje hač do gymnazija a do powołanskeje šule kaž tež w dalekubłanju dorosćenych podpěrować?

Dorit Baumeister (Wahlbündnis für Dorit Baumeister – DIE LINKE / Bündnis 90/Die Grünen – Aktives Hoyerswerda):

Die Lehre der Sprache bildet die Grundlage und muss daher strukturell als Zweitsprache in die Bildungslandschaft verstärkt aufgenommen werden. Nach meiner Kenntnis gibt es dazu Bestrebungen in Hoyerswerda vom Christlichen Gymnasium Johanneum und vom Lessing-Gymnasium, welche ich unterstütze. Im Rahmen der Berufsausbildung sehe ich einen besonderen Bedarf im Tourismus- und Gastronomiebereich.

Dirk Nasdala (Einzelbewerber):

Der Wille von Seiten unserer Stadt dazu ist durch unsere Tätigkeit im Beirat für sorbische Angelegenheiten des Stadtrates und im Gemeindekirchenrat der Ev. Johanneskirchengemeinde schon längst da. Wir sind dabei aber auf den Freistaat Sachsen angewiesen, denn Bildung ist Ländersache. In seiner Zuständigkeit befindet sich nicht nur die Ausbildung der dafür immer noch in großer Zahl fehlenden Lehrer. Wir hoffen dabei auf den Sorbenrat und die Domowina, damit im Landtag das erforderliche Bewusstsein dafür wächst und endlich die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet werden, ehe es zu spät ist. Ich werde weiter jede Möglichkeit nutzen, um auf diese prekäre Lage aufmerksam zu machen.

Torsten Ruban-Zeh (SPD):

Gemeinsam mit der starken Domowina, den Bürgermeistern der Umlandgemeinden und allen interessierten Parteien muss der Oberbürgermeister von Hoyerswerda hierfür die Grundlagen bei sächsischen Staatsregierung und beim Bund einfordern bzw. erkämpfen. Zum einen benötigen wir die Anerkennung der sorbischen Sprache als reguläre Fremdsprache/Zweitsprache an den weiterführenden Oberschulen, Gymnasien und Berufsschulen. Um dies dann in der Folge in den Schulen auch umsetzen zu können, müssen die dafür benötigten Lehrer und Erzieher für Kitas in ausreichender Zahl ausgebildet werden.

Darüber hinaus gehört für mich aber auch eine Ermutigung der sorbischen Eltern dazu, zu Hause mit Ihren Kindern auch sorbisch zu sprechen. Ein aktiver Gebrauch der ursprünglichen Muttersprache im Haushalt trägt zur Selbstverständlichkeit der Sprache bei. Zu Hause bei uns reden die Kinder mit meiner Frau russisch und mit mir deutsch. Da wir Beide Deutsch wie Russisch beherrschen, trägt dies zum Erhalt der russischen Sprache in unserer Familie bei. Im Berufsleben ist meine Frau Deutschlehrerin an der Oberschule und nimmt auch die Prüfungen der 9. und 10. Klasse ab.

Claudia Florian (CDU):

Jede Sprache verwirklicht in sich die Kultur einer Region. Das gilt auch für die sorbische Sprache. Deshalb muss das Erlernen der Sprache in jeder Bildungsstufe gefördert werden. Wir wissen, dass man eine Sprache am leichtesten in der Familie erlernt. Dann aber müssen wir vom Kindergarten bis hin zur Erwachsenenbildung Angebote machen. Das sehe ich als eine wichtige Aufgabe an. Mir ist bewusst, dass das nicht einfacher wird, weil derzeit eher die dafür notwendigen Erzieher und Lehrer fehlen. Hier will ich mit nach Lösungsansätzen suchen und die Menschen zum Erlernen der sorbischen Sprache motivieren.


4. Was gehört nach Ihrer Meinung zur lebendigen Zweisprachigkeit in der Stadtgesellschaft und wie lässt sie sich befördern?
Što słuša po wašim měnjenju k žiwej dwurěčnosći města a jeje wobydlerjow a z čim hodźi so tuta spěchować a polěpšić?

Dorit Baumeister (Wahlbündnis für Dorit Baumeister – DIE LINKE / Bündnis 90/Die Grünen – Aktives Hoyerswerda):

Neben der eingeführten zweisprachigen Leitsysteme in öffentlichen Gebäuden und der Ausschilderungen im öffentlichen Raum sollte auch das Stadtmarketing in Sorbisch verfasst werden. Die Einführung eines jährlich stattfindenden, sorbischen Marktfestes in der Altstadt, mit besonderem Fokus auf die junge sorbische Musik-, Mode- und Designszene wäre ein sehr frischer Beitrag zur Zweisprachigkeit.

Dirk Nasdala (Einzelbewerber):

Sowohl im Beirat für sorbische Angelegenheiten als auch im Gemeindekirchenrat der Ev. Johanneskirchengemeinde werden wir den in meiner Antwort zur ersten Frage beschriebenen guten Weg weiter beschreiten und immer wieder auf die Beachtung der sorbischen Belange und die Pflege der sorbischen Sprache und Kultur hinwirken. Insbesondere möchte ich erreichen, dass Überschriften und wichtige Texte bzw. wesentliche Textbestandteile sowohl in amtlichen als auch in Schreiben der städtischen Beteiligungen auch in sorbischer Sprache veröffentlicht werden.

Torsten Ruban-Zeh (SPD):

Lebendige Zweisprachigkeit in der Stadtgesellschaft darf sich nicht nur über eine Zweisprachigkeit in der Straßenbeschilderung oder einiger Print- und Werbemedien ausdrücken. Lebendige Zweisprachigkeit bedeutet für mich, dass auch im gesellschaftlichen Leben die Zweisprachigkeit gefördert wird. Dies kann insbesondere geschehen durch:

- Zweisprachige Veranstaltung in Kunst und Kultur

- Mehr Aufführungen von sorbischen Theaterstücken

- Zweisprachigkeit in den Geschäften der Stadt, mit der Herausstellung “Wir sprechen auch sorbisch”

- Sorbische Sprachwettbewerbe

- U.v.m.

Dies alles kann aber nur mit den Menschen und durch die Menschen umgesetzt werden. Es bedingt ein aktives Leben der sorbischen Sprache in den sorbischen Familien und eine Bereitschaft aller Voneinander lernen zu wollen.

Claudia Florian (CDU):

Lebendige Zweisprachigkeit zeigt sich nicht allein durch korrekt zweisprachig beschriebenen Straßen- und Hinweisschilder, oder die vorbildlich im Hoyerswerdaer Rathaus zweisprachige Zimmeraufschrift, sondern durch die Präsenz der sorbischen Sprache bei Stadtfesten, Kulturveranstaltungen, im Sport, bis hin zum öffentlichen Nahverkehr. Wir sollten uns angewöhnen, die Grußformel auch zweisprachig zu pflegen. Das wäre ein Achtungszeichen. Sprache ist der Zugang zur Vergangenheit und Öffnungsvoraussetzung für das Zukünftige. Deshalb bin ich froh darüber, dass im Rahmen des sorbischen Kommunalprogramms das Servicebüro für die Kommunen in Hoyerswerda etabliert wurde. Das will ich dann auch rege nutzen.


5. Die Beauftragte für sorbische Angelegenheiten der Stadt hat langjährige unermüdliche Arbeit geleistet – ehrenamtlich. Können Sie sich vorstellen, diese Stelle zumindest in Teilzeit hauptamtlich einzurichten?
Zamołwita za serbske naležnosće w měsće je w poslednich lětach wukonjała njesprócniwe dźěło. Tute zastojnstwo wukonješe wona čestnohamtsce. Kak stejiće k tomu, tute městno znajmjeńša podźělnje hłownohamtsce zarjadować?

Dorit Baumeister (Wahlbündnis für Dorit Baumeister – DIE LINKE / Bündnis 90/Die Grünen – Aktives Hoyerswerda):

Eine berechtigte Anfrage, welche ich als Oberbürgermeisterin schnell prüfen würde. Auch im Hinblick auf meine eigenen Vorstellungen, das sorbische Leben in Hoyerswerda deutlich zu stärken, braucht es personelle Unterstützung.

Dirk Nasdala (Einzelbewerber):

Bereits zu Beginn meiner Tätigkeit als Vorsitzender des Beirates für sorbische Angelegenheiten haben wir versucht, den Stadtrat davon zu überzeugen, dass diese Leistungen nur schwer neben der Arbeit ehrenamtlich zu leisten sind und daher zumindest zum Stellenanteil von 25 % in den Stellenplan mit aufgenommen werden sollten. Ich habe die Hoffnung, dass mir das nunmehr gemeinsam mit den Stadträten gelingt, wenn ich tatsächlich in das Amt des Oberbürgermeisters gewählt werde.

Torsten Ruban-Zeh (SPD):

Im Rahmen des bevorstehenden Strukturwandels sollte dies uns gemeinsam gelingen. Es wäre ein Bekennen der Stadt zu seiner Historie und seiner Herkunft, ich wäre dazu bereit.

Claudia Florian (CDU):

Das Ehrenamt ist ein wichtiger Faktor für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir sind auch in Zukunft auf ehrenamtliche Tätigkeiten angewiesen. Die Größe der Aufgabe der Beauftragten für sorbische Angelegenheiten rechtfertigt durchaus, in Zukunft diese Stelle hauptamtlich zu verankern. Diese Diskussion gehört für mich in die Strukturdebatte.


6. Was erwarten Sie von der Domowina, die im Jahr 1912 als Dachverband des sorbischen Volkes in Hoyerswerda gegründet worden ist, mit Blick auf die weitere Profilierung und Entwicklung der Stadt?
Što wočakujeće wot Domowiny hladajo na wuwiće Wojerec, hdźež bu Domowina w lěće 1912 jako třěšny zwjazk serbskeho ludu załožena?

Dorit Baumeister (Wahlbündnis für Dorit Baumeister – DIE LINKE / Bündnis 90/Die Grünen – Aktives Hoyerswerda):

Ich gehe von einer kooperativen, sehr guten Zusammenarbeit aus. Die Profilierung von Hoyerswerda zum Hot Spot für junges sorbisches Leben gelingt nur mit Unterstützung der Domowina. Mit Marcel Braumann, dem persönlichen Referenten des Vorsitzenden der Domowina habe ich mich hierzu schon mehrfach ausgetauscht, wir sind uns einig, dass Hoyerswerda deutliches Entwicklungspotential hat.

Dirk Nasdala (Einzelbewerber):

Wie schon in meinen Antworten zur zweiten und zur dritten Frage gesagt, erwarte ich die erforderliche Unterstützung dafür, dass die Vereine unseres Regionalverbandes neue Anknüpfungspunkte suchen und finden, um ihre Aktivitäten auch mit mehr jungen Mitgliedern auszubauen, und dass das Erlernen der sorbischen Sprache vom Kindergarten bis zum Gymnasium und zur Berufsschule sowie auch in der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung ermöglicht wird. Ich bin sehr an einer guten Zusammenarbeit mit der Domowina interessiert.

Torsten Ruban-Zeh (SPD):

Mit der Domowina, als Dachverband des sorbischen Volkes, welche in Hoyerswerda gegründet wurde, besitzen wir ein einmaliges Alleinstellungsmerkmal in der Region. Dieses Alleinstellungsmerkmal müssen wir stärker kommunizieren und als solches für alle sichtbar herausstellen. Hierzu bedarf es eines festen Schulterschlusses zwischen der Stadtspitze und der Spitze der Domowina.

Beide müssen wir uns der historischen Aufgabe bewusst sein, aber gemeinsam sind wir in der Lage dies zu schaffen.

Claudia Florian (CDU):

Die Gründung des Dachverbandes der Sorben 1912 in unserer Stadt ist ein großes Vermächtnis, dem wir alle verpflichtet sind. Das vorhandene Denkmal reicht aber nicht. Ein regelmäßiger Austausch mit den Vertretern der Domowina ist für das gegenseitige Verständnis fördernd. Das will ich pflegen. Vielleicht können durch eine intensivere Zusammenarbeit auch zusätzliche Veranstaltungen und Programme der Sorben in der Stadt gezeigt werden, was nicht zuletzt die touristische Entwicklung unseres Seenlandes inspiriert. Ich denke auch an das Projekt der Landesgartenschau, wo sich viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit eröffnen.

Jede Sprache bringt ihr wissenschaftliches und kulturelles Erbe mit. Deshalb ist die Mehrsprachigkeit unserer Region ein „Pfund“, das wir gemeinsam besser nutzen sollten. Und ich meine, dass wäre auch für den Zuse-Campus ein bisher unterschätzter Vorteil.