Johannes Bocatius in Košice geehrt

In der Verantwortung der Föderalistischen Union europäischer nationaler Minderheiten (FUEN) werden jährlich zwei verschiedene Seminare nationaler Minderheiten durchgeführt, für die deutschen Minderheiten und für die slawischen. Das diesjährige Seminar slawische Minderheiten diente dazu, die Teilnehmer mit der tschechischen Minderheit in der Slowakei vor Ort bekannt zu machen. Die Domowina – Bund Lausitzer Sorben organisiert diese Seminare. Am zweiten November Wochenende (7.11.-10.11.2013) fand das Seminar in Košice statt und nicht ohne Grund in dieser Stadt, der Europäischen Kulturhauptstadt 2013. Zum Tagungsprogramm gehörte die Ehrung des verdienstvollen Johannes Bocatius (1569 – 1621), welcher im niederlausitzer Vetschau geboren wurde und in Cassau, dem heutigen Košice, verdienstvoll wirkte. Er war dort (von 1599) in verschiedenen Funktionen tätig, so zum Beispiel als Rektor der Lateinschule, als Richter und als Bürgermeister. Er verfasste mehrere Bücher zu Geschichte und Politik, seine poetische Begabung ist in drei Gedichtsbüchern zusammengefasst. Kein geringerer als Kaiser Rudolf ll. verlieh ihm den Titel „poeta laureatus caesareus“, des gekrönten Poeten. Eine seiner Schriften unterzeichnete er mit Johannes Bocatius Sorabus, Poeta Laur. Caes. Ludidirector Eperiessinus, also als bekennender Sorbe.  

Zur Gedenkveranstaltung in der Košicer Stadtbibliothek, welche nach Johannes Bocatius benannt ist, hatte die Maćica Serbska, die wissenschaftliche sorbische Gesellschaft eingeladen und der Einladung war auch der ehemalige Präsident der Slowakischen Republik Dr. Rudolf Schuster (1999-2004) gefolgt. Der Präsident ist ein großer Verehrer des Humanisten, schrieb ein Hörspiel und ein Straßentheater über das Leben und Wirken J. Bocatius. Das Straßentheater wurde auch aufgezeichnet und im Fernsehen gesendet. Den Vertretern der niederlausitzer Stadt Vetschau war es seinerzeit eine besondere Ehre den Bürgermeister der Stadt Košice, Rudolf Schuster in der Geburtsstadt des Humanisten begrüßen zu dürfen. Die Begeisterung für das Wirken J. Bocatius war R. Schuster auch in der Veranstaltung mit den Vertretern der sechs slawischen Minderheiten aus ebenso vielen Ländern anzumerken. „Ich bin stolz darauf der Nachfolger im Amte J. Bocatius zu sein. Aber auch wenn in Vetschau und in Košice Gedenktafeln an Bocatius erinnern, so bin ich der Meinung, dass die Bedeutung dieses Mannes zu wenig bekannt ist und er zu wenig Anerkennung erfährt. Für Januar 2014 ist die Prämiere eines weiteren Theaterstücks von mir über ihn im Stadttheater Košice vorgesehen. Mein Stück könnte für das Theater in Cottbus – unserer Partnerstadt – übersetzt und dort aufgeführt werden. Meine Erlaubnis dazu ist hiermit gegeben und für mich wäre es eine gute Gelegenheit wieder einmal die Stadt und die Sorben zu besuchen“ sagt der Theaterstückeschreiber R. Schuster.

Die Namensschreibung des ehemaligen Präsidenten verrät, dass er Angehöriger der deutschen Minderheit in der Slowakei ist, deswegen waren die Seminarteilnehmer interessiert auch an seinen Erfahrungen, seinen Erlebnissen als Mitglied dieser Minderheit. „Im Dorf und in der Schule – nahe Košice – sprachen wir schon als Kinder drei Sprachen, das war selbstverständlich, wir verständigten uns deutsch, slowakisch und ungarisch, je nach dem, mit wem wir sprachen, in der einen oder auch in allen drei Sprachen zugleich“, sagt er lächelnd. Die Deutschen sprachen untereinander einen „starken Dialekt, mantakisch“, eine Mischung aus verschiedenen deutschen Dialekten der benachbarten Länder aus welchen die Familien einst zugezogen sind. Deutsche aus Ungarn, Rumänien, der Ukraine und anderswo. „So entstand ein besonderer Dialekt um Košice, den meine Generation noch spricht, nach uns wird mantakisch wahrscheinlich verloren sein. Es sollte erhalten bleiben, zumindest dokumentiert werden, aber es kümmert Niemanden, keine Institution interessiert sich für uns, für unsere Sprache.“

Dazu scheint der Slogan für die Europäische Kulturhauptstadt Košice 2013 passend – Europäische Kulturhauptstadt 2013 „Arm, aber multikulturell und vielsprachig“.  

Zur diesjährigen Ernennung Košice zur Kulturhauptstadt hat die Maćica Serbska auch eine mehrsprachige Broschüre über das Leben und Wirken J. Bocatius zusammengestellt. In dieser sind u. a. von Dr. Doris Teichmann ein Artikel, und aus der reichen Sammlung zwei Gedichte, Loblieder auf die Lausitz und auf Cassau, auf Košice veröffentlicht. Der junge Cottbuser Marcus Końcar las Passagen des genannten Artikels, sowie auch das Gedicht auf die Lausitz in niedersorbischer Sprache, der Muttersprache des J. Bocatius.

„Dieser Abend ist ein würdiger Beitrag der Sorben, der Lausitzer zu den Veranstaltungen der diesjährigen Ernennung Košice zur Europäischen Kulturhauptstadt, wahrscheinlich sogar der einzige, welcher den verdienstvollen Johannes Bocatius ehrte, dafür danke ich ihnen ganz herzlich“, sagte R. Schuster, der populäre Politiker der Slowakischen Republik zum Abschluss des Abends.  

 

 

Jurij Wuschansky

 

Teilnehmer des diesjährigen FUEN- Seminars slawischer Minderheiten in der Öffentlichen/Städtischen Bibliothek Johannes Bocatius in Košice, unter ihnen Dr. Rudolf Schuster, ehemaliger Präsident der Slowakischen Republik und Verehrer J. Bocatius (achter von rechts)

Foto: privat