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Laudationen 2020

 

Preisträger aus der Niederlausitz

PREIS DER DOMOWINA

Fritz Kschammer aus Drehnow

Schon viele Jahre ist Fritz Kschammer ein sehr aktives Mitglied unserer nationalen Organisation. Inzwischen im verdienten Ruhestand konnte er unlängst seinen runden 80. Geburtstag feiern und bei dieser Gelegenheit zurückschauen auf verschiedene Meilensteine und Höhepunkte in seinem privatem und ehrenamtlichen Leben.
Geboren wurde Fritz Kschammer in Juni 1940 in Klein Lieskow. Seine Eltern hatten eine kleinere Landwirtschaft und auch Fritz Kschammer hat später unter anderen in der Landwirtschaft sein Geld verdient. Außerdem arbeitete er als Lehrer und Ingeneur. Wenn aber von wichtigen Meilensteinen im Leben von Fritz Kschammer die Rede ist, müssen wir besonders auf das Jahr 1984 blicken. In diesem Jahr musste er mit seiner Familie sein Elternhaus verlassen. Sein Heimatdorf wurde abgebaggert und verlor sich in der Kohlengrube Cottbus-Nord. Die Familie zog nach Drehnow. Hier begann auch seine ehrenamtliche Arbeit auf dem sorbischen Gebiet eigentlich erst so richtig. Gleich nach der Wende übernahm er aus der Not heraus die Leitung der Domowinaortsgruppe. Von 1993 bis 2012 arbeitete er erfolgreich als Bürgermeister dieser Gemeinde im Amt Peitz und in der gleichen Zeit stellte er sich den Mitgliedern der Ober- und Niederlausitz als stellvertretender Vorsitzender der Domowina zur Wahl. Insgesamt 12 Jahre gab Fritz Kschammer unserem Dachverband als stellvertretender Vorsitzender besonders in der Niederlausitz ein Gesicht. Als Drehnower Bürgermeister hat er sich zusammen mit Fritz Woitow und anderen dafür eingesetzt, dass das Sorbische im Amt Peitz seinen festen Platz bekommt. Die Bildung des Ausschusses für sorbische Angelegenheiten, den Fritz Kschammer einige Jahre leitete, war ein wichtiger Schritt dazu.
Am Herzen aber liegt Fritz Kschammer noch etwas anderes. Es sind dies die Verbindungen zu Polen. Zahlreich sind seine freundschaftlichen Beziehungen in unser Nachbarland. Jahrelang hat er als Bürgermeister und Vorsitzender der Domowina-Ortsgruppe diese Partnerschaften initiiert, unterstützt und gefördert. So hat er nicht nur die Verbindungen zwischen den Sorben und ihren slawischen Nachbarn gefördert, sondern auch eine positivere Einstellung der hiesigen Menschen zu unserer sorbischen Sprache.
Heute ist Fritz Kschammer nicht mehr auf dem politischen Gebiet aktiv. Dafür steht er aber immer gern zur Verfügung, wenn es um die Bewahrung, Weitergabe und Verbreitung der sorbischen Sprache und Kenntnisse über die Sorben geht. Der Schule für sorbische Sprache und Kultur steht er als beliebter und zuverlässiger Partner gern zur Verfügung, wenn es darum geht, Lernenden die gesprochene niedersorbische Sprache näher zu bringen und sich mit ihnen zu unterhalten. Auch den Schülern des Niedersorbischen Gymnasiums ist Fritz Kschammer inzwischen gut bekannt. Ihnen stand er im Schuljahr 1918/19 zur Seite, als sich die Schüler der damaligen 11. Klassen an das Projekt “Zeitsprünge” wagten, an dem sich das Cottbuser Menschnrechtszentrum beteiligte. Das Projekt trug den Titel “Die Sorben in der DDR” und die Schüler haben dafür sorbische Personen begleitet, welche aus ihrer Sicht über das Leben in der DDR berichteten. Sie filmten und befragten sie. Einer der damaligen Zeitzeugen war Fritz Kschammer. Er sprach sehr gern mit den jungen Menschen und berichtete ihnen auf bewegende Art und Weise über den damaligen Verlust seines Geburtsortes, seiner Heimat.
Dieses und auch mehr über das sorbische Leben in den Dörfern um Klein Lieskow in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts kann man außerdem hören von der CD, welche Maria Elikowska-Winkler im Jahre 2017 zusammenstellte. 22 Minuten sind hier Fritz Kschammer gewidmet. Damit sorgt er auf seine Art dafür, dass die sorbische Geschichte unserer Region und die niedersorbisch Sprache nicht so schnell vergessen werden.
Wir sind als Regionalverband dankbar für all seine Aktivitäten, für seine Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft, für seine langjährige ehrenamtliche Arbeit zur Erhaltung der sorbischen Sprache und Kultur und schlagen deshalb vor, Fritz Kschammer anlässlich seines 80. Geburtstages mit dem Domowina-Preis 2020 auszuzeichnen. Gratulation.


EHRENABZEICHEN DER DOMOWINA

Torsten Mack aus Cottbus

Zur sorbische Sprache kam Torsten Mak aus reinem Zufall in der ersten Klasse. Die Schüler stellten andere Länder und Sprachen vor. Er interessierte sich für etwas Besonders. Ungeachtet aller Argumente seiner Eltern entschied er sich für die sorbische Sprache. Diese beeinflusst sein Leben bis heute.
Torsten Mak wurde am 17.12.1967 im mecklenburgischen Ludwigslust geboren. 1986 legte er sein Abitur an der Sorbischen erweiterten Oberschule in Cottbus ab. Gerade in der Wendezeit entschied er sich zum zweiten Mal für etwas Besonderes – für das Pädagogikstudium der Fächer Sorbisch und Deutsch an der Universität Leipzig. Hier knüpfte er Kontakte zu seinen obersorbischen Mitstudenten und arbeitete aktiv in der Sorabia mit. Auch auf politischen Gebiet hat er in verschieden studentischen Ausschüssen erste Erfahrungen gesammelt.
Nach dem Studium konnte er nicht sofort als Lehrer arbeiten und begann deshalb eine Tätigkeit bei der Stiftung für das sorbische Volk. Erst relativ spät begann seine Arbeit mit Schülerinnen und Schülern am Niedersorbischen Gymnasium. Als Mitglied des Sorbischen Schulvereins e. V. schaute er nicht nur auf die niedersorbischen Probleme. Stets suchte er den Kontakt zu obersorbischen Kolleginnen und Kollegen..
Viele Generationen von Schülerinnen und Schülern hat “Herr Mak” geprägt und für das Sorbische an der Schule und auch außerhlab dieser begeistert. Er schrieb die Texte und bereitete viele Jahre das sorbische Kabarett für das Jugendtreffen, die Schadowanka, vor. Verantwortung trug er auch für den Schüleraustausch mit Polen. Viele Jahre beteiligte er sich mit den Schülern an den Volleyballturnieren der sorbischen Sportvereinigung “Sokol” und unterstützte die Sorbischolympiaden. Obwohl er schon Rentner ist, bleibt er eng mit dem Niedersorbischen Gymnasium verbunden. So leitet er die Arbeitsgruppe Kindertheater, erstellt auch weiterhin neue Lehrmaterialien für das Fach Sorbisch im ABC, ist Mitglied des Fördervereins des Niedersorbischen Gymnasiums und ist auch weiterhin Mitglied der sorbischen Arbeitsgruppe beim MBJS.
Außerhalb der Schule hat Mäcky, wie ihn seine Freundinnen und Freunde nennen, immer recht kritisch die politische Arbeit der Domowina betrachtet, besonders was deren Position bezüglich der Abbaggerung der sorbischen Dörfer betraf. So engagierte er sich gegen die Abbaggerung von Hornow und Lakoma. In den Jahren zwischen 2009 und 2019 war er Mitglied des Rates für sorbische Angelegenheiten in Brandenburg. In diesem Gremium hat er viel geleistet und initiiert. Großen Anteil hatte er auch bei der Novellierung des Sorbengestzes, für die Festschreibung des sorbischen Siedlungsraumes, bei den Kämpfen um die Weiterentwicklung des Witaj-Projektes und bei den langjährigen Bemühungen, die „Sorben(Wenden-)Schulverordnung” zu novellieren. Aktuell vertritt er als fachlich kompetenter Einwohner im “Ausschuss für soziale Gleichstellung und Rechte der Minderheiten” für die AUB/SUB-Fraktion auch die Interessen der Sorben in der Stadt Cottbus.
Auch die sorbische Kultur war ihm immer wichtig. Viele Jahre wirkte er im Trachtenverein “Spinntestübchen” mit. Aus all dem sehen wir, dass hier ein sorbisches Herz schlägt, welches auch oft kritisch auf das Sorbische schaut.


EHRENABZEICHEN DER DOMOWINA

Christa Dziumbla aus Burg (Spreewald) 

Christa Dziumbla ist ein aktives Mitglied des Heimat- und Trachtenvereins Burg e.V. und auch der Domowina-Ortsgruppe Burg-Kauper.
Geboren wurde Christa Dziumbla in Burg, wo sie auch aufwuchs. In Cottbus ließ sie sich als Schneiderin ausbilden und arbeitete später als Hortnerin in der Burger Schule. Dort hatte sie auch die Möglichkeit, sich mit ihrer Lieblingstätigkeit zu beschäftigen – mit der Handarbeit. Sie stickte und strickte ja schon immer gern und so dauerte es nicht lange, dass auch von Seiten der Schüler die ersten Impulse kamen, auch etwas Sorbisches zu machen. Zusammen mit den Mädchen suchte sie alte Beispiele und Originalvorlagen von Trachtenteilen und so entstand dann auch die Arbeitsgemeinschaft “Trachtenstickerei”.
Nach der Wende entschloss sich Christa Dziumbla für die Tätigkeit als selbstständige Schneiderin.
Die Nachfrage nach sorbischen Trachten und Trachtenteilen nahm ständig zu und die sorbische Tracht kam auch dank der Aktivität des Burger Heimat- und Trachtenvereines immer mehr in Mode. Zu Hause auf ihren Gehöft hat ihr Ehemann Dieter einen alten Schuppen mit Tenne als Schneiderei und für die Trachten ausgebaut. Hier zeigt Christa Dziumbla auch den jungen Burgerinnen, wie die sorbische Tracht richtig angezogen wird, wie die Kopftücher gebunden und Bänder und Spitzen gestickt werden.
Auf Märkten und großen Festen zeigt Christa Dziumbla zusammen mit ihrem Mann den Gästen, wie Trachtenteile gestickt werden und wie verschiedene andere traditionelle Handarbeiten des bäuerlichen Lebens vollzogen wurden.
Das Wichtigste ist aber, dass den jungen Menschen diese Kenntnisse weitergereicht werden. Das macht Christa Dziumbla bis heute, und das ehrenamtlich im Rahmen des Ganztagsunterrichts an der Burger Schule. Hier zeigt sie den Kleinen bis zur 6. Klasse, wie man sich zu den sorbischen Festen anzieht und wie die Trachten bestickt werden.
Damit trägt Christa Dziumbla dazu bei, dass altes Wissen über die sorbische Tracht in der Spreewaldregion erhalten bleibt und der Jugend weitergegeben wird. Deshalb schlägt der Regionalverband Niederlausitz Frau Christa Dziumbla aus Burg für die Auszeichnung mit dem Ehrenabzeichen der Domowina 2020 vor.


EHRENABZEICHEN DER DOMOWINA

Jürgen Hanschke aus Briesen

Jürgen Hanschke wurde in dem sorbischen Dorf Jänschwalde geboren. Schon als kleiner Junge hatte er ständigen Kontakt mit der sorbischen Sprache und Kultur, lernte in der Grundschule die sorbische Sprache und legte an der Sorbischen erweiterten Oberschule sein Abitur ab. Jürgen hat sich in jungen Jahren um die Pflege der niedersorbischen Bräuche gekümmert und diese mit organisiert. Seine große Liebe galt aber der Natur und deshalb hat er auch Landwirtschaft studiert. Mit seiner Familie wohnt er jetzt schon mehr als 25 Jahre in Briesen. Dort hat sich Jürgen auch in der Domowina-Ortsgrupe engagiert und war viele Jahre deren Vorsitzender. Unter seiner Leitung ist die Domowina immer mit einer eigenen Liste zu den Wahlen der Gemeindevertretung angetreten und macht das bis heute mit Erfolg. Viele Jahre hat Jürgen Hanschke gemeinsam mit dem Briesener Bürgermeister Klaus Heinrich von der Liste der Domowina als Abgeordneter im Gemeinderat gewirkt und die sorbischen Interessen vertreten. Mit diesen Erfahrungen war es für den Regionalverband Niederlausitz auch erfreulich, als er für den für den Regionalvorstand kandidierte und in ihm mitarbeitete. Jürgen Hanschke hatte sich schon für den ersten Rat für sorbische/wendische Angelegenheiten zur Wahl gestellt und war dann von 1994 bis 2009 drei Legislaturperioden lang aktives Mitglied dieses ehrenamtlichen Gremiums.
Als in der Oberlausitz der Bund sorbischer Handwerker und Unternehmer gegründet wurde, hat sich Jürgen Hanschke sofort dafür interessiert und hat in der Niederlausitz Mitglieder geworben. Hier hat er ganz unterschiedliche Firmeninhaber in die Arbeit des Bundes einbezogen, wie z.B. Trachtenschneider, Bauhandwerker und andere Dienstleistungsbetriebe. Alle zwei Jahre organisieren sie eine Fahrradexkursion durch die Niederlausitz als gemeinsamen Höhepunkt ihrer Arbeit. In den vergangenen 10 Jahren bemühte er sich um die Teilnahme sorbischer Handwerker mit einem gemeinsamen Stand auf der Handwerkermesse in Cottbus – unter der sorbischen Fahne in den Messehallen.
Der Bund der sorbischen Handwerker und Unternehmer und der Regionalverband Niederlausitz sind Jürgen Hanschke sehr dankbar für sein vielseitiges Engagement zum Wohle aller sorbischen Belange und haben sich geeinigt, Herrn Jürgen Hanschke aus Briesen gemeinsam für die Ehrung mit dem Ehrenabzeichen der Domowina 2020 vorzuschlagen.


 

 

Preisträger aus der Oberlausitz

PREIS DER DOMOWINA

Elke Nagel aus Lohsa

Elke Nagel hat im Januar 1994 den Förderverein „Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus“ e.V. mit gegründet. Die Pflege der sorbischen Sprache und Kultur in Lohsa und Umgebung war ihr immer schon eine Herzensangelegenheit. Schon lange forscht sie auf den Spuren sorbischer Dichter und Persönlichkeiten unserer Gemeinde. Als Schriftstellerin und Dichterin beschäftigt sie sich mit vielerlei sorbischen Themen. Elke Nagel setzt sich gut dreißig Jahre für die sorbische Kultur und die Bewahrung sorbischer Geschichte vor dem Vergessen ein. Und auch selbst hat sie Sorbisch gelernt. Das war für sie die Basis dafür, dass sie Gedichte und Volkslieder – angefangen von Handrij Zejler bis hin zu Hańža Budarjowa und Mina Witkojc – auf deutsch nachdichten konnte.

Mit großer Zuneigung und ebensolchem Fleiß und Gründlichkeit schrieb sie die Biografie unserer Volksdichterin Hańža Budarjowa aus Mortka und stellt das erste vollständige Verzeichnis der Quellen und ihrer Werke zusammen. Ebenso stellt sie die Biografie ihres Ehemannes, des Komponisten Jan Pawoł Nagel, zusammen. Sie beschäftigt sich gerne mit historischen Persönlichkeiten und Leuten aus dem sorbischen Volk. Aus diesemarbeitsreichen Schaffen entstanden die Bücher „Kreuz am Waldrand“ (2007), „Hausteins Marja“ (2009), beide deutsch, und „Hawštynec Marja” (2010) sorbisch wie auch „Altweibersommer” (2013) deutsch. Elke Nagel gründete den Musikverlag „ENA“, den sie von 1991 bis 2015 leitete. Dann hat sie ihn in die Hände von Liana Bertókowa gelegt. Der Verlag gibt vor allem Werke von Jan Pawoł Nagel und Korla Awgust Kocor heraus.

Als Gründungsmitglied engagiert sie sich von allem Anfang an begeistert für die Arbeit des Fördervereins „Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus“ in Lohsa. Sie ist seit der Vereinsgründung Vorstandsmitglied und organisiert immer wieder Konzerte sorbischer Komponisten und Musiker im Zejler-Smoler-Haus, in der Lohsaer Kirche und in Mortka. Außerdem bereitet sie Lesungen sorbischer Schriftsteller und Dichter mit vor. In der Vergangenheit pflegte sie auch gute Kontakte zur Schule in Lohsa. Dort las sie auch aus ihren Büchern. Schon viele Jahre kümmert sie sich um die Internetseite des Vereins. Ihre Ideen bereichern immer wieder Ausstellungen des Fördervereins „Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus“ Lohsa. Aus Überzeugung vertritt Elke Nagel diesen Verein und die sorbische Sprache und Kultur in der Öffentlichkeit. Sie pflegt auch sehr gute Kontakte zu sorbischen Schriftstellern und Musikern.

Für ihre langjährige Arbeit und ihr Wirken sind wir ihr sehr dankbar. Aus diesem Grund verleihen wir Elke Nagel für ihr Lebenswerk den Preis der Domowina. Herzlichen Glückwunsch!


PREIS DER DOMOWINA

Georg Scholze aus Neudörfel

Beständig engagiert sich Georg Scholze für sein Volk. Schon als Student der Slawistik a Pedagogik in Leipzig war er gewisse Zeit stellvertretender Vorsitzender der sorbischen Studentenvereinigung Sorabija Lipsk/Leipzig. An der Spitze der agilen Neudörfeler Domowina-Gruppe wirkte er zwei Jahrzehnte. Sechs Wahlperioden gehörte er dem Vorstand des Domowina-Regionalverbandes „Michał Hórnik” Kamenz an und vertrat ihn fünf Jahre im Bundesvorstand der Domowina als Mitglied dieses Gremiums. Für die Interessen seiner Kollegen – der sorbischen Lehrer – setzte er sich 25 Jahre lang im Kreisvorstand des Gewerkschaftsbundes ein.

Auch im sorbischen Kulturleben engagiert er sich. 25 Jahre hat er als Sänger mit dem Chor Lipa in der Lausitz und den Nachbarländern unsere Gesangskultur verbreitet. Fünf Jahre war er Vorsitzender dieses Gesangvereins und initiierte ein würdiges Gedenken an den 90. Gründungstag des Chroes Lipa Serbska (sorbische Linde). Damals wurde eine Kasette mit Liedern der heutigen Lipa wie auch ein Informationsblatt und das Büchlein von Jan Handrik über den beliebten Chor herausgegeben.

Enge Verbindungen pflegte Georg Scholze mit den Gesangsgruppen Slezan aus dem tschechischen Těšin und Vaclav aus Rokornik. Fünf Jahre war Georg Scholze Mitglied des Vorstandes des Bundes sorbischer Gesangvereine.

Noch als Rentner unterrichtete Georg Scholze viele Jahre Sorbisch und Tschechisch und hat an den Volkshochschulen in Kamenz, Hoyerswerda und im Sorbischen Bildungszentrum LIPA Schmerlitz in mehr als 30 Kursen vielen Erwachsenen Kenntnisse in diesen Sprachen vermittelt und einige Weiterbildungskurse für Kindergärtnerinnen und Lehrer durchgeführt.

Er war fünf Jahre Mitglied des Kuratoriums für die Verleihung des Ćišinski-Preises und kümmerte sich mit um eine objektive Bewertung des Wirkens anderer für die sorbische Sache.

Georg Scholze gehört zur gerühmten Nachkriegsgeneration der Sorben, die sich als Schüler oder Studierende im tschechischen Nachbarland slawisches Wissen und Bewusstsein angeeignet haben und zeitlebens in diesem Geist wirkten.

Von 1957 bis 1958 studierte er an der Karlsuniversität in Prag bei Prof. Antonin Frinta und Prof. Pawoł Krječmar. Als einzigem sorbischen Studenten der Slawistik bot sich ihm die Gelegenheit eines sozusagen privaten Studiums bei bedeutenden Dozenten. Auf diese Weise erfuhr er viel über die wechselseitige Geschichte der Tschechen und Sorben und erlernte manches, worüber in Büchern nicht geschrieben wird. Damit nahm sein Wissen zu und wuchs seine Liebe zur Slawistik, tschechischen Sprache, Kultur und Geschichte und entwickelte sich über Jahrzehnte weiter. Unzählig sind seine Aktivitäten in der wechselseitigen Freundschaft mit dem tschechischen Volk.

Von den vielen Namen der tschechischen Freunde von Georg Scholze sei u.a. der inzwischen verstorbene Prof. Bohumil Malotin, Mitglied der Maćica Serbska, erwähnt. Mit dem Konzertmeister Cello im Smetana-Theater in Prag organisierte er viele Veranstaltungen. So führte er in Volfartice zwei Mal Zwei-Wochen-Bildungsangebote Sorbisch durch, u.a. auch mit Filmvorführungen und organisierte auch ein gut besuchtes Konzert sorbischer Jugendlicher in der dortigen Kirche mit tschechischer Ansage.

Georg Scholze unterstützte und beteiligte sich am Austausch der Schule Ralbitz-Rosenthal mit der Schule in Mělnik mit dem dortigen Direktor Miroslav Vlk seit Anfang der 60-er Jahre. Wegen der politischen Umstände wurde der freundschaftliche Austausch unterbrochen, aber nach 1989 hat ihn die Schule in Ralbitz wieder fortgesetzt, natürlich mit seinem besonderen Engagement.

Nach der politischen Wende hatte der auch die Organisation und Durchführung der Sorbisch-Olympiade zu bewerkstelligen, die vier Mal im tschechischen Kytlice veranstaltet wurde.

Zu DDR-Zeiten organisiert Georg Scholze für die Kinder der Angestellten der Schul-Gewerkschaft Kamenz wiederholt Ferienlager – darunter waren natürlich auch sorbische Kinder – in Kytlice. Und diesen Austausch mit den dortigen Partnern führte er 30 Jahre durch, zunächst als Dolmetscher und später als Leiter.

In den Medien dokumentiert war seine Ansprache beim feierlichen Gedenken im vorigen Jahr auf dem berühmten Berg Mužska. Im Namen der Sorben dankte Georg Scholze – als Mitglied der Domowina und der Maćica Serbska – für die berühmten Demnstrationen des tschechischen Volkes für die Sorben zur Zeit des Nationalsozialismus.

Sein umfangreiches ehrenamtliches Wirken sucht seinesgleichen, ob auf gesellschaftlichem oder kulturellem Gebiet. Wir wollen ihm heute für seine Arbeit für das sorbische Volk mit dem Preis der Domowina danken. Herzlichen Glückwunsch!


NACHWUCHS-PREIS DER DOMOWINA

Damian Dürlich aus Neudörfel

Damian Dürlich wurde 1994 als jüngstes der drei Kinder des Holzbildhauers Nikolaus Dürlich aus Neudörfel geboren und im christlichen Glauben und in der Begeisterung für die sorbische Sprache erzogen. Schon als Jugendlicher begann er, sich in vielfältigen Funktionen gesellschaftlich zu engagieren, zum Beispiel im Jugendklub der Crostwitzer Kirchgemeinde, wo er heute als alter Hause immer noch gerne aushilft.

Nach dem Abitur 2013 begab er sich zum Studium nach Leipzig. Dort absolvierte er 2018 sein erstes Staatsexamen fürs Lehramt am Gymnasium in den Fächern Sorbisch und Gemeinschaftskunde. Mit Ende des Schuljahres 2019/2020 beendete er sein Referendariat am Sorbischen Gymnasium in Bautzen.

Besonders in der Zeit des Studiums war der junge Sorbe engagiert fürs sorbische studentische Leben in Leipzig, aber auch für andere sorbische Studenten, die über ganz Deutschland verstreut leben. Er war unter anderem Vizevorsitzender des Leipziger Studentenvereins „Sorabija” und knüpfte enge Verbindungen zu den Elferräten der Studierenden in Leipzig.

Besondere Verdienste erwarb er sich als langjähriger Župan (Vorsitzender) des Bundes sorbischer Studierender / župa „Jan Skala“. In dieser Funktion organisierte er Studentenaustausch mit dem polnischen Namysłów im Jahr 2017 und mit tschechischen Freunden in Prag 2019. Weiter kümmerte er sich akribisch um alle im Bund sorbischer Studierender vertretenen Studentenvereine, darunter Studierende aus Leipzig, Dresden und weiteren Städten, wie auch beständig um den Abiturjahrgang des Sorbischen Gymnasiums in Bautzen. Er kümmerte sich darum, dass sich die sorbischen Studierenden wieder zu einem Ganzen verbinden, gemeinsam agieren und auch in der Domowina auf politischem Gebiet ihre Stimme haben. So hat er als Vertreter der Studierenden im Bundesvorstand die Einstellung eines Jugendkoordinators vorgeschlagen.

Aber auch auf künstlerischem Gebiet war und ist Damian Dürlich ständig aktiv – als Autor und Sänger. In der Leipziger „Sorabija” kümmerte er sich zum Beispiel mit um die bunten Programme für das alljährliche Fasching und die Schadźowanka / das Treffen der sorbischen Studierenden.

Als Neffe des Schriftstellers Benedikt Dyrlich ist Damian Dürlich auch auf dem Feld der Lyrik mit Begeisterung aktiv und trat dabei so teilweise in die Fußstapfen seines Onkels. Er schreibt unterhaltsame wie auch kritische Gedichte und beteiligt sich mit ihnen auch an verschiedenen literarischen Wettbewerben.

Als begeisterter Sänger und Tenor wirkte er in mehreren Chören, unter anderem in der 1. Sorbischen Kulturbrigade oder im Studentenchor mit, in dem er öfter auch die organisatorische Rolle bei der Durchführung der Proben übernahm. Heute erleben wir ihn als Mitglied des Chors „Lipa”.

Wir wollen Damian Dürlich herzlich danken für seine Begeisterung für den Gebrauch und die Entwicklung der sorbischen Sprache und Identität und für seine Aktivität im sorbischen studentischen Leben in den vergangen Jahren und wünschen ihm alles Beste für die künftigen Schritte im Leben. Wir schließen mit einem von Damians Lieblingszitaten: „Die Ernte ist reich, aber es gibt nur wenige Arbeiter.“ (Matthäus, 9,37).

Damian Dürlich ist einer unserer fleißigen Arbeiter und verdient sich damit den Nachwuchs-Preis der Domowina 2020. Herzlichen Glückwunsch!


EHRENABZEICHEN DER DOMOWINA

Jürgen Njek aus Crostwitz

Wenn vom “Uhrmacher” die Rede ist, dann wissen nicht nur die Leute in Crostwitz und Umgebung, dass es mit Sicherheit um Jürgen Njek (Neck) geht.

Er wurde 1947 in Doberschütz geboren und wuchs bei seinen Stiefeltern, dem Uhrmacher Jurij Mencl und seiner Ehefrau, in Crostwitz auf.

Bis heute ist Jürgen Njek Uhrmacher mit Leib und Seele. Seit 45 Jahren sorgt er ehrenamtlich dafür, dass die Uhr auf dem Crostwitzer Kirchturm immer die richtige Zeit anzeigt. Außerdem verkauft er in seinem Geschäft schon seit Jahren Eintrittskarten für die Vogelhochzeitsveranstaltungen des Sorbischen Nationalensembles und das Internationale Folklorefestival “Łužica – Lausitz”. Dank ihm können sich die Menschen auf kurzem Wege die Tickets im Vorverkauf besorgen und so mancher kommt dadurch erst auf die Idee, diese sorbischen Kulturveranstaltungen zu besuchen.

Er ist einer der 9 Mitglieder, die 2003 den sorbischen Dorfverein Domizna-Heimat gegründet hatten. Dieser hat sich der Pflege der dörflichen Gemeinschaft, der sorbischen Sprache und Bräuche verschrieben und er fördert das Engagement der Bürger für die Natur und die Heimat. Inzwischen ist der Verein auf 52 Mitglieder gewachsen.

Jürgen Njek ist 2011 zur Sorbischen Laientheatergruppe Crostwitz e. V. durch einen Zufall gestoßen. Die Vereinsmitglieder haben gerade ein neues Stück vorbereitet, als einer der Darsteller krank wurde. Man besann sich auf Jürgen Njek, der 2010 in dem sorbischen Historienstück “Die Via regia ruft” mitgewirkt hatte. Es bedurfte nicht vieler Worte, dass er zusagte. Und so übernahm er 2012 in der sorbischen Kriminalkomödie “Wenn Rentner eingreifen” sogar die Hauptrolle, in der er die Zuschauer begeisterte. Die Vorstellung war so erfolgreich, dass er der Theatergruppe bis heute treu geblieben ist.

In weiteren Inszenationen hat er ebenfalls seine Rolle gefunden. In der sorbischen Vorstellung “Die Via regia ruft”, die 2010 anlässlich des 1.000 Geburtstages (posmjertnych narodnin) des Apostels der Sorben, des Heiligen Benno, aufgeführt wurde, übernahm er die Rolle des Dorfbewohners Rolan. Des Weiteren wirkte er in den Passionsspielen 2005 und 2015 mit, zuletzt in der Rolle des Herodes.

Für sein langjähriges vielfältiges ehrenamtliches Wirken hat Jürgen Njek das Domowina-Ehrenabzeichen verdient.


EHRENABZEICHEN DER DOMOWINA

Maria Oschika aus Panschwitz-Kuckau

Über Marja Ošikowa lässt sich sagen: Sie ist jederzeit bereit, Aufgaben zu übernehmen; diese erfüllt sie zuverlässig und bereichert sie einfallsreich. 2007 wurde sie in den Vorstand der Domowina-Ortsgruppe gewählt und seit dieser Zeit setzt sie ihre Kräfte zum Wohle der Gruppe ein.

Besonders in der Zeit ohne einen Vorsitzenden (2012 – 2016) gehörte Maria Oschika zu den aktivsten Stützpfeilern. Fast 10 Jahre lang war sie für die Theaterbesuche unserer Gruppe verantwortlich. Ihr großer Verdienst besteht darin, dass die Domowina-Ortsgruppe Panschwitz-Kuckau heute noch mit dem Bus zu Theatervorstellungen nach Bautzen fährt, denn es gibt immer genügend Interessenten. Ohne aktive Werbung und Organisation so fleißiger Bienen wie sie wäre das nicht der Fall.

Ebenfalls in ihren Händen liegt schon seit Jahren die Organisation der Gruppen-Ausflüge. Zahllose Telefonate, Reservierungen und Abstimmungen sind notwendig, damit ein solcher Ausflug gelingt. Als Teamplayer übernimmt sie auch viele Aufgaben im Vorstand, auch kleine, die vielfach keiner sieht. So hat sie an fast allen Arbeitseinsätzen am Ćišinski-Denkmal im Lippe-Park teilgenommen. Zugleich sorgt sie dabei stets für die leibliche Versorgung der Teilnehmer. Zu Jubiläen unserer Mitglieder ab dem 70. Geburtstag gratulieren wir ihnen immer mit einem kleinen Präsent – auch darum kümmert sie sich gewissenhaft. Ebenso wie um die Mitglieder, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an den Veranstaltungen der Domowina-Ortsgruppe teilnehmen können – vor allem sie ist es, die an sie denkt und die zu Weihnachten kleine Überraschungen für sie besorgt. Ihr Wirken für das Sorbische ist wie ein Mosaik – es besteht aus vielen kleinen Steinen, woraus sich das Bild einer vorbildlichen Mitglieds der Ortsgruppe ergibt. Für ihre Treue und ihren Fleiß gebührt ihr heute Dank und Anerkennung.


EHRENABZEICHEN DER DOMOWINA

Bernhard Delenk aus Nebelschütz

Der Vorstand des Serbski Sokoł und des Sportvereins Nebelschütz schlägt vor, Bjarnat Deleńk mit dem Domowina-Ehrenabzeichen auszuzeichnen.

Geboren 1949, ist er seit 1999 Vorsitzender des Sportvereins Nebelschütz, wo er dem Verein treue Dienste leistet. Durch seine Person ist die lebendige Zweisprachigkeit im Verein stets gewährleistet, zumal er sich auch um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert und er für die sorbischen Medien eine zuverlässige Zuarbeit leistet. Außerdem ist Bernhard Delenk aktives Mitglied des Karneval-Vereins Wendisch-Baselitz und er ist immer bereit, wo Hilfe vonnöten ist.

Besonders hervorzuheben ist der Fakt, dass Bernhard Delenk von Beginn an an der Geschichte der Europeada beteiligt ist. So war er mit der Sorbischen Nationalmannschaft bereits in der Schweiz und in Südtirol. In seiner Funktion als Teamleiter hat er die Vorbereitungen aktiv mit organisiert und das Training unterstützt. Ein besonderes Ereignis in seinem Wirken war die Europeada 2012 in der Lausitz. Diesen Höhepunkt in der Geschichte des sorbischen Sports hat der Nebelschützer im Domowina-Ausschuss mit vorbereitet. Eine besondere Verantwortung übernahm Bernhard Delenk bei der Eröffnungsveranstaltung in Nebelschütz. Es folgte eine unvergessliche Sport-Woche. Jetzt steht die nächste Europeada an, zu der er als sorbischer Teamchef 2021 nach Kärnten fahren möchte.

Bernhard Delenk gehört dank seinem aufrichtigen und erfahrenen Auftreten zum Rückgrat der sorbischen Fußballbewegung. Er war an der weiteren Stärkung der Sportstrukturen im Bereich Fußball insbesondere durch die Nachwuchswerbung maßgeblich beteiligt.

Für die herausragenden Leistungen auf diesem Gebiet, für die langjährige und stetige Arbeit im SV Nebelschütz und in der Sorbischen Nationalmannschaft möchten wir Bjarnat Deleńk heute mit dem Domowina-Ehrenabzeichen 2020 auzeichnen.


EHRENABZEICHEN DER DOMOWINA

Marka Ziesch aus Lehndorf

Marka Ziesch war 1964 an der Sorbischen erweiterten Oberschule in Kleiwelka der Domowina beigetreten und ist mit ihr in verschiedenen Domowina-Ortsgruppen verbunden geblieben. Nach der politischen Wende, als sich in ihrem Dorf nicht mehr genügend Menschen für eine Domowina-Ortsgruppe fanden, trat sie als einzige der Domowina-Gruppe in Panschwitz-Kuckau bei. Domowina-Mitglied ist sie außerdem durch den Cyrill-Methodius-Verein und die Maćica Serbska. Somit ist sie über 55 Jahre Mitglied der Domowina.

Berets seit jugen Jahren pflegt Marka Ziesch das sorbische Lied – seit 1964 waren das: der Chor Meja, die Gesangsgruppe der Sorabia, der sorbische Studentenchor, der Sorbische katholische Kirchenchor Bautzen und der Kirchenchor in Crostwitz.

Außerdem wirkte sie in vielen weiteren Vereinen und Gremien mit.

1968-1994 war sie Mitglied im Arbeitskreis sorbischer Musikschaffender, von 1989 seine Vizevorsitzende und danach im Sorbischen Künstlerbund Mitglied des Vorstands.

1973-1983: Mitglied des Vorstands des Sorbischen Pioniertheaters in Trägerschaft des Domowina-Verlages; 1985-1990 Mitwirkung im Beirat des Hauses für sorbische Volkskunst.

1990-1993 Mitwirkung im Auszeichungsausschuss der Domowina

1990-1995 Leiterin der Sorbischen Schola in der Crostwitzer Kirchgemeinde. Dort initiierte und organisierte sie das erste Treffen aller sorbischen katholischen Scholae.

Seit 2015 ist sie als Mitglied des Leserbeirates der Sorbischen Zeitung Serbske Nowiny berufen.

Seit der Neugründung der Maćica Serbska im November 1990 war Marka Ziesch ihr Mitglied und wurde 2014 in den Vorstand gewählt.

Seit 2017 wirkt sie mit dem Mandat der Maćica Serbska im Bundesvorstand der Domowina. Außerdem ist Marka Ziesch Vorsitzende des Ausschusses für Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit.

Neben ihren beruflichen Aufgaben im sächsischen Sozialministerium hat sie sich von 1994 bis 2014 für die Regelung der sorbischen Angelegenheiten in den Bereichen Jugend und Gesundheitswesen eingesetzt. Für ihre beständige und treu ausgeübte umfangreiche ehrenamtliche Arbeit in den verschiedensten Bereichen, in mehreren Vereinen und an Orten in und außerhalb der Lausitz zeichnen wir Marka Ziesch heute mit dem Ehrenzeichen der Domowina aus. Herzlichen Glückwunsch!


EHRENABZEICHEN DER DOMOWINA

Friedhard Schneider aus Großschweidnitz

Bisher waren die östlichen evangelischen Gebiete der Lausitz bei der Verleihung dieses Preises noch nicht vertreten. Aber gerade dort ist in den letzten Jahren viel passiert. Einen bedeutenden Anteil daran hatte Friedhard Schneider, gebürtig aus Löbau und jetzt wohnhaft in Großschweidnitz. Erst in den vergangenen zehn Jahren hat er die sorbischen Wurzeln seiner Familie erkundet und fühlt sich nun als Sorbe. Er hat sich die Sprache angeeignet – in verschiedenen Kursen aber insbesondere mit viel Eigeninitiative.

Von den wenigen Sorben um Löbau ist er fast der einzige, der sich so aktiv für das Sorbische einsetzt. Er ist evagelischer Kirchenmann, als Lektor bezieht er auch das sorbische Wort aktiv mit ein, er singt in zwei Kirchenchören mit und ist für das Sorbische im Gebiet um Löbau aktiv engagiert.

Friedhard Krawc war einer der Initiatoren des Vorhabens, das “Sorbische Requiem” von Korla Awgust Kocor in der Kirche zu Kittlitz erklingen zu lassen. Das war am 10. November 2019 sozusagen am Ort des Entstehens dieses Werkes sowie dem langjährigen Wirkungsort unseres bekanntesten sorischen Komponisten. F. Krawc knüpfte Kotakt zu zwei deutschen Kirchenchören in Löbau und Zittau sowie zum Chor Budyšin.

Er fand zuverlässige Partner und hat mit der Zeit alle davon überzeugen können, sich an dieses Projekt heran zu wagen. Die letzte Vorstellung war am 24. November in Zittau. Er sorgte für die Plakate und das Programmheft, in sorbischer Sprache hat er im Rundfunk und in Domowina-Ortsgruppen für die Veranstaltung geworben und er hat die Besucher in der Kittlitzer Kirche auch auf Sorbisch begrüßt. Er hat auch für den Begleittext und die deutsche Übersetzung gesorgt, was eine der wichtigsten Voraussetzungen für die aktive Beteiligung von interessierten deutschen Zuhörern gewesen ist. Gottes Wort in sorbischer Sprache in der Kittlitzer Kirche war schon vor Jahrzehnten verstummt, und jetzt konnte es dort endlich wieder erklingen. Dank der unermüdlichen Initiative sowie dem konsequenten Einsatz von F. Krawc konnten sich einige Hundert Menschen aus dieser Umgebung davon überzeugen, dass in Kittlitz ein großer Schatz liegt. Mit der Aufführung des “Sorbischen Requiems” haben die Sänger gezeigt, dass sie die sorbischen Patrioten in Ehren halten und dass sie stolz auf ihren einstigen Lehrer und Kantor Korla Awgust Kocor sind.

Und jetzt laufen die Vorbereitungen für ein großes Gesangsfest im Jahre 2022 anlässlich des 200. Geburtstages von Korla Awgust Kocor und des 150. Todestages von Handrij Zejler.

Das Domowina-Ehrenabzeichen sei für Friedhard Krawc ein Ausdruck des Dankes, der öffentlichen Anerkennung sowie ein Ansporn für die weitere Arbeit.


EHRENABZEICHEN DER DOMOWINA

Silvia Stephan aus Schwarzkollm

Silvia Stephan, geb. 1974, arbeitet als Erzieherin im Kindergarten Schwarzkollm vo allem mit den Witaj-Kindern. Sie setzt sich für die Bewahrung und die Pflege der sorbischen, religiösen und dörflichen Traditionen in allen Bereichen ihres Wirkens ein.

Die sorbische Sprache wurde ihr leider nicht in die Wiege gelegt, dennoch ist sie ihr überaus wichtig. Und so hat sie sich als Erwachsene auf die Schulbank gesetzt, um die Sprache zu erlernen. Sie nutzt jede Gelegeheit, um ihre inzwischen guten Sprachkenntnisse weiter zu vervollkommnen und sie übermittelt sie mit viel Liebe und Freude der junge Generation.

Viele inzwischen in Vergessenheot geratene Traditionen hat sie wieder mit belebt. So war sie die erste Kantorka des 2010 wieder belebten Ostersingens in Schwarzkollm. Heute achtet sie weiter darauf, dass die Tracht der Mädchen ordentlich ist, sie übt mit ihnen die sorbischen Choräle und achtet auf den richtigen Ablauf des Brauches.

Schon seit Jahren arbeitet sie im Vorstand der Trachtengruppe Krabat e.V. mit, kümmert sich mit großer Sorgfalt um die sorbische Tracht der Kindertanzgruppe und singt mit Freude in deren Chor mit und sie moderiert alle Auftritte lebendig und unterhaltsam – natürlich zweisprachig.

Im sprachlichen Leuchtturm in Hoyerswerda hat sie vor Kurzem die sorbische Version der “Annemarie” präsentiert, die in allen Tanzgruppen und Kindergärten um Hoyerswerda eine sehr beliebte Tanzmelodie ist. Dank ihrer Initiative kann das Lied jetzt in den Kitas und Vereinen endlich auch auf Sorbisch gesungen und getanzt werden.

Von Anfang an arbeitet Silvia Stephan auch im Vorstand der Arbeitsgruppe der Krabat-Mühle mit. Hier setzt sie sich besonders für die Pflege der sorbischen Tracht und die Ausstellungen in der Krabat-Mühle ein. Aber nicht nur die Pflege der Tracht ist ihr wichtig; 2018 führte sie den Verein mit zu einem besonderen Höhepunkt, der Vorstellung einer traditionellen sorbischen Hochzeit mit allem, was dazu gehört: dem Hochzeitszug, der Vorstellung und Erläuteung aller Traditionen, die einst bei sorbischen Hochzeiten in Schwarzkollm gepflegt wurden. Viel fleißige Arbeit mit Recherchen, der Zusammenstellung der zweisprachigen Texte und der Realisierung des sehr gelungenen Projekts hat Silvia Stephan ohne viele Worte und Stöhnen gemeistert und damit zum Erfolg beigetragen. Zahlreiche weitere ihrer Aktivitäten ließen sich aufzählen, ohne dass Langeweile aufkommt. Deshalb hat sich Silvia Stephan die heutige Auszeichnung schon lange verdient. Herzlichen Glückwunsch!


EHRENABZEICHEN DER DOMOWINA

Heidemarie Richter aus Schleife

Heidemarie Richter wurde 1952 in Bad Muskau geboren. Durch ihre Heirat kam sie nach Schleife. Das Ehepaar Richter hat zwei Söhne.

Nach dem Besuch der Polytechnischen Oberschule in Bad Muskau wechselte sie auf die Sorbische erweiterte Oberschule nach Cottbus und legte ihr Abitur ab. Dort erlernte sie die Niedersorbische Sprache und studierte anschließend Asienwissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin mit dem Diplom als Abschluss. 1977 kam das Ehepaar Richter nach Schleife. Die Bräuche und die Tracht der Schleifer Region zu pflegen, wurden ihr in ihrer Heimatverbundenheit schnell zur Herzenssache.

Heidemarie Richter war erst Exportverkäuferin der Glaswerke Weißwasser und später Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit der Sparkasse Oberlausitz/Niederschlesien. Seit erreichen des Rentenalters im Jahr 2011 widmet sie sich intensiv der Vereinsarbeit in ihrem Heimatort. Sie setzte sich für die Reaktivierung der Arbeit der Domowina Ortsgruppe Schleife ein, welche durch das krankheitsbedingte Ausscheiden der ehemaligen Vorsitzenden zum Erliegen kam. 2014 wurde sie zur Vorsitzenden der Domowina-Ortsgruppe Schleife gewählt und belebte nicht nur das Vereinsleben im Ort, sondern verstärkte auch die Zusammenarbeit der Ortsgruppen im gesamten Regionalverband. Aktiv unterstützt sie die vielen Veranstaltungen im Sorbischen Kulturzentrum in Schleife, Veranstaltungen des Regionalverbandes Jakub Lorenc-Zalěski e.V. bzw. initiiert eigene Projekte und Veranstaltungen der Ortsgruppe. Hierbei hervorzuheben ist die mit viel Leidenschaft erarbeitete Fotoausstellung zum Thema “Sorbische Hochzeiten im Kirchspiel Schleife 1902 – 1954 - ” Mit viel Liebe zum Detail wurde alles Wissenswerte zu den jeweiligen Bildern der Hochzeiten zusammengetragen, welche sehr zahlreich von den Bürgern des Kirchspiels Schleife zur Verfügung gestellt wurden. So wurden Einblicke zu Trachten, Traditionen, Abläufen der Hochzeiten, Hochzeitsessen und vielen weiteren Begebenheiten rund um das Fest der Hochzeit anschaulich und lebendig dargestellt.

Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde Heidemarie Richter 2019 für den Schleifer Ehrenpreis nominiert. Der Ortschaftsrat Schleife möchte mit dem Preis Menschen in den Blickpunkt rücken, die sich in besonderer Weise um die Traditionen des Schleifer Kirchspiels und die Bewahrung von Erinnerungswertem verdient gemacht haben.

Viel Freude bereitet ihr auch der Sorbisch-Sprachkurs bei Jadwiga Mudra aus Schleife, den sie seit vielen Jahren besucht. So nutzt sie die Gelegenheit, Einladungen, kurze Ansprachen bei Veranstaltungen und kleine Gespräche mit den älteren Mitgliedern der Ortsgruppe in Sorbisch zu führen.

Mit ihrer Zuverlässigkeit, ihrem Engagement und ihrer Hilfsbereitschaft erwarb sie sich großes Vertrauen und ist anderen somit ein Vorbild.

Marcel Brauman/Braumann

nowinski rěčnik,
wosobinski referent předsydy

casnikarski powědaŕ,
wósobinski referent pśedsedarja

Pressesprecher,
persönlicher Referent des Vorsitzenden

Domowina z. t./
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