Hotel „K złotej kokulce“

Hotel „Zum goldenen Anker“ und Georg Valtin

Das Hotel „Zum goldenen Anker“ (Adresse: Markt 11) war bis zum Jahre 1945 ein unentbehrlicher Teil der Ostseite des Hoyerswerdaer Marktplatzes. Auf dieser Seite des Marktes, welche im Rahmen der Kämpfe im April 1945 vollständig zerstört wurde, stand sogar noch ein zweites Hotel „Zum schwarzen Bären“. Weiter gab es dort: eine Brauerei, eine Drogerie, Geschäfte, eine Kaffeerösterei und eine Wagenschmiede.

Der aus Seidewinkel stammende Georg Valtin kaufte im Jahre 1885 das Hotel „Zum goldenen Anker“, welches er bis zum Verkauf im Jahre 1919 besaß und führte. Darüber hinaus betrieb er im selben Gebäude einen eigenen Laden, welchen er in Anzeigen in der sorbischen Zeitung Serbske Nowiny als „serbske klamy“, also sorbischen Laden bezeichnete. Für sorbische Kunden waren die Gaststätte, das Hotel und das Geschäft eine gute Adresse. Natürlich auch aus dem Grunde, dass die Kunden mit ihm sorbisch sprechen konnten. Die Gaststätte wurde auch für sorbische Gesellschaften und Veranstaltungen genutzt.  Zum Beispiel hatten bei der Gründung der Domowina am 13. Oktober 1912 die Delegierten der sorbischen Vereine im Hotel übernachtet. Im Bericht über die Gründung der Domowina hieß es, dass sich danach bei Valtins Onkel die sorbische Unterhaltung mit kräftigem sorbischen Gesang weiter spann.

 

Zur Person Georg Valtins

Georg Valtin wurde am 26. Oktober 1859 im sorbischen Dorf Seidewinkel geboren und wohnte bis zu seinem Tode auf einem Bauernhof unter der Postadresse: Hoyerswerda-Seidewinkel, Berliner Straße 92. Heute gehört dieses Grundstück zur Stadt Hoyerswerda und hat die Adresse: Alte Berliner Straße 20. Georg Valtin erlernte den Kaufmannsberuf in Bautzen. Dort hat er sich auch für die sorbischen Bemühungen begeistert. Im Jahre 1880 eröffnete er seinen ersten Laden auf der Schlossstraße 13 und veröffentlichte dies in der sorbischen Wochenzeitung „Serbske Nowiny“. Seine Anzeige war der Beginn der sorbischsprachigen Werbung von Kaufmännern und Unternehmen aus Hoyerswerda.

Sein sorbisches Vereinsengagement begann mit der Aufnahme in die Maćica Serbska am 16. April 1884. Er unterstützte sofort auch mit eigenen Spenden den Aufbau des ersten Hauses der Sorben in Bautzen, damals Wendisches Haus genannt. Er bemühte sich gemeinsam mit dem Schriftsetzer August Lapstich um die Bildung eines sorbischen Vereins in Hoyerswerda. Am 28. Dezember 1884 wurde der „Hoyerswerdaer wendische Bauernverein“ gegründet. In ihm war Valtin eine der führenden Personen. Bis zum Jahre 1933 war er im Vorstand aktiv. Anfangs wirkte er als Schatzmeister, dann von 1892 bis 1926 als Vizevorsitzender und schließlich bis 1933 als Vorsitzender. Für seine Verdienste wurde er beim Ausscheiden aus der Funktion als Ehrenvorsitzender berufen. Umso schlimmer empfand er sicherlich den Ausschluss aus dem Verein noch im gleichen Jahr 1933 auf Verlangen der NSDAP. Er war den Nazis ein zu engagierter Sorbe und somit für die nationalsozialistische Gleichschaltung des Vereins untragbar. Damit können wir Valtin als erstes sorbisches Opfer der Nazis in Hoyerswerda benennen.

Valtin beschränkte seine sorbischen Aktivitäten nicht nur auf Hoyerswerda. Er bemühte sich in verschiedenen Gremien um gesamtsorbische Belange. So wirkte er im Wendischen Nationalausschuss, in der Wendischen Volkspartei (1924 kandidierte er zweimal für den Reichstag) und im Wendischen Volksrat. Valtin war der erste Geschäftsführer der 1922 gegründeten Filiale der Wendischen Volksbank in Hoyerswerda. Er unterstützte 1912 die Gründung der Domowina und 1922 die Gründung des Domowina-Regionalverbandes „Handrij Zejler“ für die preußische Oberlausitz (bis 1930 Vizevorsitzender).

Mit vollem Recht können wir Georg Valtin als herausragenden sorbischen Patrioten der Hoyerswerdaer Gegend ehren, der in der ganzen sorbischen Lausitz bekannt und anerkannt war. Dabei vergessen wir nicht die Tatsache, dass er umfangreich im städtischen Leben von Hoyerswerda verankert war. Er wirkte im Büro der städtischen Abgeordneten, im Kirchengemeinderat und in verschiedenen Vereinen: Bienenzüchterverein, Schachklub und Schützenverein. So lässt sich sagen, dass Valtin als Unternehmer und aktiver Stadtbürger eine anerkannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens von Hoyerswerda war.

Valtin starb am 13. Juli 1934 in Seidewinkel.

 

Autor: Werner Srocka aus Kühnicht