Das Martin-Nowak-Neumann-Haus

Das Martin-Nowak-Neumann-Haus wurde am 19. Juni 1999 der Öffentlichkeit übergeben. Entsprechend dem Testament des Künstlers war das Anwesen in Nechern nach seinem Tod in den Besitz der Domowina - Bund Lausitzer Sorben e.V., übergegangen, aufwendig saniert und als Museum und kulturelle Begegnungsstätte eingerichtet worden.

Der Laden, zur Zeit von Nowak-Neumanns Kindheit Haupteinnahmequelle der Familie, ist originalgetreu mit der charakteristischen Ladentafel und mit Utensilien aus der Zeit nach 1900 ausgestattet.

Die Wohnstube mit ihrer eigentümlichen Einrichtung ist so belassen, wie sie der Künstler zu Lebzeiten nutzte.

In weiteren Räumen wird das Umfeld, in dem Martin Nowak-Neumann wirkte, vorgestellt. Informiert wird über die Sorben im östlichen Bautzener Land, den Heimatort Nechern, die ungewöhnlichen familiären und religiösen Verhältnisse während seiner Kindheit, die die Entwicklung des Künstlers nachhaltig geprägt hatten, und die kunstvollen Stickarbeiten seiner Schwestern.

Dem Werdegang und Wirken von Nowak-Neumann sind zwei Ausstellungsräume gewidmet. Unmittelbaren Eindruck von seinem Schaffen vermittelt das im Originalzustand erhaltene Atelier im Gartenhaus.

Von der innigen Naturverbundenheit des Künstlers zeugt der Vorgarten, sein "Paradiesgärtlein".

Informationen:

Martin-Nowak-Neumann-HausMartin Nowak
Lindenweg 2
02627 Weißenberg OT Nechern

Einlass ganzjährig, gern auch mit Führungen über Sorbische Kulturinformation Bautzen werktags Tel. 03591-550111 oder auch sonn- und feiertags bei Frau Rosalia Pinkau Tel. 035939-81347.
Eintrittspreise: Erwachsene: 2 €, ermäßigt: 1,50 €, Kinder: 1 €

Angebote:

- Führungen,
- Vorführung von Videofilmen über Martin Nowak-Neumann sowie über die Geschichte und Kultur der Sorben
Im Obergeschoss des Hauses (bis 20 Personen):
- Durchführung von Versammlungen und Kulturveranstaltungen
- Malen für Kinder
- Kunst-Werkstätten

Martin Nowak-Neumann | Měrćin Nowak-Njechorński

Martin Nowak-Neumann Měrćin Nowak-Njechorński

gehört zu den herausragenden sorbischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er wurde am 13. Juni 1900 in Nechern geboren. Nach dem Kunststudium in Leipzig, Dresden, Prag und Warschau war er von 1929 bis 1969 – mit Unterbrechung von 1933 bis 1947 durch Haft, Berufsverbot und Krieg – als Redakteur und Chefredakteur sorbischer Zeitungen und Zeitschriften tätig. Darüberhinaus wirkte er Jahrzehnte in ehrenamtlichen Gremien.

Hochgeehrt starb er am 6. Juli 1990 in seinem Geburtshaus. Sein Grab befindet sich in Gröditz.

In den zwanziger Jahren formulierte Martin Nowak-Neumann sein Lebensziel, “Maler, Diener und Künder” des sorbischen Volkes zu werden. Diesem Vorsatz widmete er sein außerordentlich fruchtbares Schaffen.

Als bildender Künstler stellte sich Nowak-Neumann die Aufgabe, eine sorbische nationale Kunst zu begründen. In Anlehnung an die traditionelle Volkskunst vereinte er Mythologie und Folklore mit einer romantisch-historisierenden Darstellung der ländlichen Lebensweise. Wassermann, Mittagsfrau, Lutken und andere Figuren aus Sagenwelt und Volksliedern erhielten durch ihn erstmals eine überzeugende Gestalt. Selbst seine Werke aus der Zeit des sozialistichen Realismus tragen märchenhafte Züge. Sein Signet ist das Lindenblatt, die Linde das Symbol des sorbischen Volkes.

Als Publizist und Schriftsteller verfaßte Nowak-Neumann unzählige Aufsätze, Reportagen und eine Reihe von Büchern. Er schrieb fast ausschließlich in sorbischer Sprache, zuweilen poetisch, oft streitbar kritisch und stets in einem eigenwillligen Sprachstil.

“Krabat”, sein erfolgreichstes Buch, wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Seine in drei Bänden erschienenen Lebenserinnerungen sind ein aufschlußreiches Dokument der Zeitgeschichte.

Als Übersetzer übertrug Nowak-Neumann Autoren wie Gorki, Gogol, Puschkin, Tschechow und Čapek ins Sorbische. Die russische und tschechische Sprache hatte er sich im Selbststudium angeeignet.

Als Volkskundler sammelte und veröffentlichte Nowak-Neumann Material über Trachten und Brauchtum. Sachkenntnis erwarb er sich vor Ort auf ausgedehnten Wanderungen durch die Lausitz.

Als Kulturpolitiker trat Nowak-Neumann mit Nachdruck für seine sorbischen und slawischen, nach 1945 aus sozialistischen Ideala ein. Sein Engagement galt der nationalen und sozialen Gleichberechtigung des sorbischen Volkes

Text: Trudla Malinkowa, 1999